Finnland 2013

Gestern hatten wir abends das Tanztheater „Pilobolus“ in Essen angesehen (sehr schön und magisch, aber leider nach 1,5 Stunden schon beendet) und damit unserem kulturellen Minus-Konto ein dickes Plus beschert – und jetzt sitzen wir in unserem geheizten Zimmer in Finnland und draußen hat es minus 34 Grad Celsius ! Größer kann der Unterschied zu Deutschland kaum sein. Aber der Reihe nach:

 

Sonntag, 27.01.2013

 

Da wir gestern schon in Essen und damit in der Nähe von Düsseldorf waren, hatten wir uns im Mercure-Hotel in Ratingen für die Nacht einquartiert. Vorteil war neben der Bequemlichkeit die Möglichkeit, unser Auto während der Finnland-Reise dort kostenlos parken zu können.

Nach dem Frühstück brachte uns der Shuttle-Service zum Flughafen Düsseldorf. Da wir schon am Abend zuvor elektronisch eingecheckt hatten, mußten wir nur noch unser Gepäck abgeben.

Die übliche Flasche Whisky war auch schnell gekauft und so konnten wir nach Helsinki abfliegen. Der Flug verlief ereignislos. In Helsinki wechselten wir den Flieger nach Kittälä. Da wir auf den Notausgangsplätzen saßen, hatten wir reichlich Platz. Bei der Landung zeigte das Außenthermometer schon minus 17 Grad Celsius an. Auch die Uhrzeit ist hier anders als in Deutschland – Finnland lebt eine Stunde später als wir.

In Kittälä trafen wir die Reisegruppe. Diese wurde mit einem Bus nach Hetta gebracht; wir aber fuhren mit dem begleitenden Fotografen, Herrn Kappest, im Leihwagen mit. Die Leihwagen standen alle mit laufendem Motor vor dem Flughafengebäude. Vielleicht besser so, denn dann ist es im Wagen schon etwas warm.

Der Nachthimmel war wolkenfrei, aber ein Polarlicht zeigte sich nicht. So unterhielten wir uns und kamen nach 2 Stunden problemloser Fahrt auf eiskalten Strassen in Hetta bei minus 35 Grad Celsius an.

Das kleine Hotel „Hetan Majatalo“ sieht auf den ersten Blick richtig hübsch aus. Wir bezogen unser Zimmer (Nr. 13 !) und gingen dann zum Abendessen.

Nach dem Abendessen erläuterte uns Herr Kappest das Programm der Woche. Wir hörten bei einem kleinen Whisky zu. Anschließend ging es heia, denn morgen soll es anstrengend werden – eine Schneeschuhtour ist geplant.

 

 

 

 

Montag, 28.01.2013

 

Um 8 Uhr ging der Wecker. Nach dem Frühstück zogen wir uns an und stapften durch den knirschenden Schnee zum Ausrüstungsverleiher. Mensch, war das kalt im Gesicht, wenn der Wind von vorne kam ! Wir hatten immerhin minus 25 Grad Celsius und es schneite leicht.

Beim Verleiher empfingen wir Thermoschuhe und einen Overall. Mehr nahmen wir nicht, da wir Handschuhe und Mütze hatten. Gut war es, dass wir dicke warme Strümpfe anhatten, denn die Thermoschuhe laufen sich ähnlich wie etwas zu gross geratene Gummistiefel. Ein bisschen fühlen wir uns wie ein Michelin-Männchen – aber wenn es hilft, die Kälte zu ertragen, soll es uns recht sein. Peter überlegte noch, zusätzlich ein Fleece anzuziehen, aber zum Glück verwarf er wieder den Gedanken. Den ultimativen Kältetest bestanden wir nämlich im Anschluss auf dem zugefrorenen See. Saukalt war es – aber wir froren nicht: die lange Unterwäsche 260 von Icebreaker, die langen dicken Strümpfe, den Merino-Buff ins Gesicht gezogen, die Wollmütze und die dicken Handschuhe in Verbindung mit dem Overall und den Thermoschuhen ließen uns kein bisschen frieren. Beatrice bekam im Laufe des Tages lediglich etwas kalte Oberschenkel. Gut, für Brillenträger wie uns ist das kein Wetter: Die Brillen beschlagen vom Atem und der gefriert sofort auf dem Glas, so dass wir ab und zu die Brillen mit den Handschuhen enteisten. Die Kamera von Peter war irgendwann durchgefroren, funktionierte aber einwandfrei trotz Schnee auf dem Gehäuse.

Nachdem wir eine Runde auf dem See gedreht hatten, gingen wir durchs Dorf Richtung Sami-Museum. Unterwegs konnten die nicht richtig ausgerüsteten Reiseteilnehmer noch wärmende Kleidungsstücke kaufen.

Auffallend war, dass fast alle Autofahrer die Motoren laufen lassen, auch wenn sie einkaufen gehen. Länger geparkte Autos können das Kühlwasser mittels der hier überall stehenden Strom“tankstellen“ vorwärmen. So hat jedes Auto vorne einen Stecker raushängen, um das Kabel der Stromsäule anstecken zu können.

Im Museum sahen wir zuerst einen Film über die Gegend und machten dann einen kurzen Rundgang durch das Museum. War nicht schlecht, aber wir hatten keine Lust, alle Tafeln zu lesen.

Nach dem Museumsbesuch empfingen wir ein paar Meter weiter unsere Schneeschuhe und Stöcke und los ging es den Berg hoch. Stapf, stapf ging es durch den Schnee. Stellenweise kamen wir nur sehr schwer vorwärts, da der „Weg“ steil und rutschig war. Aber wohlbehalten erreichten wir eine Hütte und machten Feuer. Nachdem der Rauch sich endlich durch den Kamin und nicht durch die Hütte verzog, war es fast ein bisschen heimelig. Unsere vom Veranstalter gestellte Thermoskanne verdiente allerdings den Namen nicht: kalt kam der morgens noch heiße Tee aus der Kanne. Der Tee in unserer von daheim mitgebrachten Thermoskanne dagegen war noch schön heiß. Unsere Brötchen vom Frühstück waren noch nicht gefroren, so dass wir sie essen und nicht lutschen mussten. Nur die Mandarine von Beatrice war fast zu kalt zum Essen.

Nach dieser Stärkung ging es wieder hinab ins Tal. Da bewiesen die Schneeschuhe ihre Stärke, denn wir konnten ohne zu Rutschen absteigen.

Der weitere Heimweg zum Hotel war problemlos, auch wenn die Sicht durch den Schneefall nicht besonders war.

Im Zimmer angekommen, machten wir jeder einen Saunagang. In Finnland sind die Saunen nach Männern und Frauen getrennt. Von daher gingen wir auch getrennt in die Sauna L. Wir hatten uns davor gefragt, ob wir unsere Duschhandtücher aus dem Zimmer für die Sauna nutzen sollen. Aber in Finnland werden keine Handtücher in der Sauna genutzt. Vor der Sauna ist eine Box mit Papiertüchern und jeder nimmt sich 2 Papiertücher – eines zum Draufsitzen und eines für die Füße.

Frisch gereinigt und porentief rein ruhten wir uns bis zum Abendessen aus.

Nach dem Abendessen (Hauptspeise war Leber vom Rentier => lecker !) hielt Herr Kappest einen Vortrag zum Thema „Fotografieren in der blauen Stunde“. Locker und mit Bildbeispielen belegt, war es eine sehr unterhaltsame Abendveranstaltung. Ich denke, alle konnten dabei noch was lernen.

Nach dem Vortrag gingen wir zu Bett, denn der Tag war doch ganz schön anstrengend.

 

Dienstag, 29.01.2013

 

Da das Programm erst um 10:45 h losging, streiften wir nach dem Frühstück um das Hotel und fotografierten ein bisschen. Der Begriff „Weißabgleich“ bekommt bei diesen Schneemassen gleich eine ganz andere Bedeutung: Wir fotografierten einfach einen Schneehaufen und gaben der Kamera dann vor, dass die Farbe des Schnee weiß sei – und damit wurden alle weiteren Bilder automatisch richtig weiß !

Die Temperatur ist heute deutlich wärmer als gestern. Mit „nur“ noch minus 6-8 Grad Celsius ist es fast schön frühlingshaft warm J.

Mit einem Bus fuhren wir zu einer Rentierfarm. Da wir in zwei Gruppen transportiert wurden und wir bei der ersten Gruppe waren, konnten wir bis zur Ankunft der zweiten Gruppe die an den Bäumen angeleinten Rentiere fotografieren. Da sie gerade ihr Geweih abwerfen, sahen die Geweihe zum Teil sehr zerrupft aus. Ein Teil der Tiere hatte schon kein Geweih mehr. War aber dennoch schön, hier zu fotografieren.

Als wir wieder alle beieinander waren, wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt: unsere Gruppe fuhr paarweise in einem von einem Rentier gezogenen Schlitten, eine Gruppe warf Lasso und versuchte dabei, mit dem Lasso ein am Boden befestigtes Geweih zu treffen und eine Gruppe konnte junge Rentiere anschauen. Nachdem alle Gruppen reihum alle Angebote genutzt hatten, ging es in die Hütte und wir konnten Rentierwurst, Rote-Beete-Salat und Pfannkuchen essen. Dazu gab es heißen Beerensaft. Während des abschließenden Kaffees mit Teilchen erzählte die Frau des Besitzers ein bisschen über das Leben bei den Sami. Anschließend eröffnete sie den Verkaufsladen und bot Felle, Corned Beef und Geweihe zum Kauf an.

Als wir wieder im Hotel waren, fuhr eine Gruppe zur (fakultativen) Motorschlittenfahrt. Wir wollten nicht mitfahren und liehen uns einen der hoteleigenen „Kick-Schlitten“ aus. Das ist so eine Art Rollator auf Skiern: vorne kann einer sitzen und der Schieber kann hinten mit beiden Beinen auf den Skiern stehen oder das Gefährt anschieben. Wir fuhren ca. 1,6 km zum Ortseingang und kamen dabei ganz schön ins Schwitzen. Wenn es bergab ging, war es aber richtig lustig – bergauf hieß es für den Sitzenden absteigen !

Am Ortsausgang angekommen, gingen wir in die Sami-Läden. Beatrice suchte eine Mütze und Peter schaute sich Finndolche an. Fündig wurden wir aber beide nicht. So fuhren wir wieder in gehabter Weise zurück zum Hotel. Zweimal nutzten wir noch den Hügel am Hotel für eine Schlittenfahrt und damit als Übung für das noch ausstehende Hundeschlittenfahren.

Die Zeit bis zum Abendessen dösten wir im Zimmer und lasen. Peter nutzte die Sauna und schrieb Tagebuch.

Nach dem Abendessen konnten wir einen Film über das Leben der Sami sehen. „Näkkälä“, so der Titel des Films von Peter Ramseier, beschreibt das Leben eines Samen, der als Rentierhirte mit einem Schweizer zusammenlebt. Dabei beschreiben sowohl der Same als auch der Schweizer das Leben aus dem jeweiligen Blickwinkel. Interessant war, wie die beiden Kulturen (Same = lebenslustig, trinkfest, starker Raucher, naturverbunden, Schweizer = akkurat, ordentlich, asketisch) aufeinandertreffen.

Nach dem Film diskutierten wir noch ein bisschen über bestehende EU-Bestimmungen, die den Samen vorschreiben, ihre Rentiere nicht mehr vor Ort im Schnee, sondern in einem entfernten Schlachthaus töten zu lassen.

 

Mittwoch, 30.01.2013

 

Beim Blick auf das Thermometer stellten wir fest, dass es mit minus 15 Grad Celsius wieder ein bisschen kälter als gestern war.

Nach dem Frühstück fuhren wir zum Hundeschlittenfahren. Vor Ort wurden wir von einem vielstimmigen Geheul und Bellen erwartet. Als alle Hunde angeschirrt waren, bekamen wir eine Einweisung und los ging die Fahrt. Peter fuhr die erste Hälfte der Strecke. Unsere Hunde waren nicht die Schnellsten, aber wir kamen den anderen Schlitten hinterher. Sah lustig aus, wenn die Hunde unterwegs mal mussten. Einer rannte auf den beiden Vorderbeinen, während er beide Hinterbeine in der Luft hielt und sch.... Sah zum Piepen aus ! Lediglich der Geruch war ab und zu sehr heftig !

Da der Schnee sehr tief war, mussten wir den Hunden ab und zu helfen und den Schlitten mit einem Bein anschubsen. Die Bodenwellen auf der Fahrspur merkte der Fahrer kaum; der Beifahrer allerdings konnte mit seinem Allerwertesten jede Unebenheit „erfahren“.

Nach etwa 40 Minuten kamen wir zu einer Hütte. Hier konnten sich die Hunde ausruhen und wir fotografieren. Abseits der gespurten Wege versanken wir sofort bis zur Hüfte im Schnee. War aber lockerer Schnee – so machte es fast schon Spaß !

Auf dem Rückweg war Beatrice der Musher. Am Anfang hatte sie zwar noch Bedenken, aber die waren schnell verflogen, als sie merkte, wie leicht und schön es ging. Peter saß jetzt im Schlitten, spürte die Bodenwellen und fotografierte. Die arme Kamera bestand bei dem Schneefall und der Kälte ihren Härtetest. Sie funktionierte, wenngleich wir auch häufiger den Schnee entfernen mussten, um das Display zu sehen. Bemerkung am Rande: Die Decke, die den Passagier gegen die Kälte schützen sollte, war eine alte Bundeswehrdecke aus dem Jahr 1968 mit dem Aufdruck „Bundeseigentum“J.

Bei der Hundestation wieder angekommen, halfen wir mit, die Schlittenhunde abzuschirren und zu ihren Käfigen bzw. Hütten zu bringen.

Uns beiden hat diese Tour super gut gefallen und sie ist bis jetzt das Highlight des Urlaubes (auch wenn jetzt unsere Handschuhe arg nach Hund riechen L).

Anschließend fuhren wir zum Hotel zurück und stärkten uns erst einmal mit Tee und Plätzchen.

Nachdem die Kameras wieder aufgetaut und trocken waren und wir uns gestärkt hatten, gingen wir noch mal los und fotografierten bei minus 8 Grad Celsius die verschneite Hauptstraße (=> es kann nur die Hauptstraße in Ermangelung anderer Straßen sein J) im Lichte der (wenigen) vorbei kommenden Autos. Danach besichtigten wir die Kirche des Ortes und konnten auch hier einige sehr stimmungsvolle Fotos machen.

Wieder im Hotel, kam die abendliche Sauna zum Zuge. Das sich anschließende Abendessen war heute wieder sehr lecker, wobei die hausgemachte Lachssuppe DAS Highlight war.

Nach dem Abendessen sahen wir einen Spielfilm über den Samen-Aufstand bei Kautokeino. Passte ganz gut zur Thematik, denn morgen ist eine Fahrt nach Norwegen in dieses Dorf geplant. Der Film basierte auf einer wahren Begebenheit: 1852 erhoben sich die Samen gegen die Norweger, da sie von diesen ausgebeutet und vom Alkohol abhängig gemacht wurden. Der Film lief zwar in Norwegisch mit englischen Untertiteln, wir konnten aber der Handlung sehr gut folgen. Nach einer kurzen anschließenden Diskussion ging es heia.

 

Donnerstag, 31.01.2013

 

Heute stellten wir uns den Wecker bereits auf 07:30 h, da um 09:00 h die Abfahrt nach Norwegen sein sollte.

Wettermäßig ist heute kein Highlight und auch kein Polarlicht zu erwarten – bedeckter Himmel, leichter Schneefall und „nur“ minus 4 Grad Celsius.

Unser Weg mit dem Sammeltaxi führte durch die tief verschneite Landschaft. Der Baumbestand wurde immer karger, je weiter nördlich wir kamen. Außer der Grenzstation sahen wir kaum Häuser. Die Grenze selbst passierten wir ohne anzuhalten und waren nach ca. 1 Stunde Fahrt in Kautokeino. Dort fuhren wir zuerst das örtliche Museum an. Klein, aber interessant gemacht: Jede Menge Ausstellungsstücke aus dem Leben der Sami wurden gezeigt. Sogar ein Teil der Außenmauern der alten Kirche war hier aufgebaut worden. Da diese aus Holzbalken gefertigt waren, fanden wir es bemerkenswert, dass diese die Jahrhunderte überdauert hatten. Aber nicht nur Utensilien der Sami wurden gezeigt – nein, selbst ein Stück der ehemaligen Berliner Mauer lag in einer Glasvitrine. Ob da mal ein Same nach Berlin gefahren war und das Stück als Souvenir mitgebracht hatte ?

Danach fuhren wir in DIE Silberschmiede am Ort. Die Besitzerin, eine schon ergraute Deutsche, die mit ihrem dänischen Mann 1959 hierher gezogen war, erklärte in langen Worten die Geschichte der Schmuckstücke, des Hauses und ihr eigenes Leben. War auf der einen Seite sehr interessant, aber irgendwann verließen wir die Gruppe und erkundeten das weitläufige Haus selbst. Erst als sie über ihre Glasarbeiten erzählte, waren wir wieder bei der Gruppe und hörten interessiert zu.

Peter fand noch ein hübsches Messer für sich, wobei sich der Kauf auch wieder hinzog, da die Besitzerin auf dem Weg zur Kasse überall stoppte und Geschichten erzählte bzw. Schmuckstücke und deren Ursprung erläuterte. Lag ihre Lust am Erzählen daran, dass hier fast 6 Monate Winter ist und sich kaum ein Tourist – und schon gar nicht aus Deutschland – her“verirrt“ ?

Wieder im Hotel angekommen, stärkten wir uns bei Tee und Plätzchen.

Anschließend ging Peter noch einmal los, um die Bilder an der Kirche erneut zu machen. Gestern Abend hatte er vergessen, den Image Stabilisator abzuschalten und die Spiegelvorauslösung einzuschalten. Dies hatte zur Folge, dass fast alle Bilder verwackelt waren. Heute Abend dagegen klappte es und das Ergebnis sah doch sehr ansprechend aus.

Auch wenn es draußen „nur“ minus 6 Grad Celsius hatte, war danach doch wieder Sauna angesagt.

Anschließend gingen wir wieder in den „Speisesaal“ im Nebengebäude, um das leckere Abendessen zu uns nehmen.

Für den Abend hatte Herr Kappest einen Fotoworkshop zum Thema „5 Faustregeln fürs Fotografieren“ angeboten, da der Himmel für Polarlicht nicht sehr vielversprechend aussah. War sehr interessant – und selbst „alte Hasen“ konnten noch was lernen.

Obwohl wir alle sicherheitshalber unsere Kameras und Stative für das Polarlicht vorbereitet hatten, riss der Himmel nicht auf. So gingen wir eben heia.

 

Freitag, 01.02.2013

 

Heute ging wieder um 8 h der Wecker. Vor dem Frühstück nutzte Peter noch das Licht und machte ein paar Fotos.

Um 10 h trafen wir uns alle beim Schneemobilverleiher und bestiegen mit Ausnahme derer, die selbst ein Schneemobil fahren wollten, die schon auf uns wartenden Anhänger. Profihaft mit Helm ausgestattet saßen wir auf den Rentierfellen und los ging es. Da die Temperatur bei „warmen“ minus 4 Grad Celsius lag, drohten wir im Fahrtwind nicht zu erfrieren. Lediglich die Abgase waren beim Anfahren lästig. Ansonsten wurden wir in den Anhängern mit Schneestaub eingedeckt, sodass wir bald alle wie die kleinen Schneemänner aussahen.

Der erste Stop war bei einer Schneeburg. Das Gebäude war sehr beeindruckend. Leider hatten wir kein Stativ dabei, sodass die Fotos mehr Beweischarakter hatten denn schön waren L.

Und weiter ging es mit dem Schneemobil. Da die Temperatur für finnische Verhältnisse mittlerweile viel zu warm war, taute der See bereits an. So konnten wir nicht ständig auf diesem fahren, sondern mussten stellenweise durch den Wald ausweichen. Für unseren Fahrer kein Problem, aber der andere Schlittenkapitän hatte mit seinem Anhänger schon mehr Schwierigkeiten. Wir mussten also des Öfteren anhalten und auf ihn warten. Die Einzelfahrer waren – so glauben wir – auch nicht wirklich erfreut, denn eigentlich hatten diese die Schneemobile in der Erwartung gemietet, mal richtig Gas geben zu können.

Nach gut einer Stunde Fahrt waren wir bei der Zielhütte angekommen. Es ist schon fantastisch, dass wir direkt neben der Motorschlittenspur sofort im Tiefschnee versanken. So sah jeder zu, möglichst in der Spur zu gehen, um zu fotografieren. Aber auch das war mit Schwierigkeiten verbunden.

Als alle Schlitten angekommen waren, fingen wir an, Löcher in das Eis mithilfe eines Handbohrers zu bohren. Die begleitenden Guides nahmen einen motorbetriebenen Bohrer – wie uncool ! Mit an uns verteilten Angeln versuchten wir unser Glück – und siehe da, einer der Gäste fing sogar einen ca. 10 cm langen Barsch. Er war aber zu klein zum Essen und so kam er ins Wasser zurück.

Während wir uns so beschäftigten, riss sogar ein Stückchen Himmel auf. Schon klickten wieder alle Fotoapparate. Hierbei konnten wir feststellen, dass die teureren Geräte die Nässe und Kälte wohl gut abkönnen, wohingegen bei den „billigeren“ Kameras der erste Teilausfall zu verzeichnen war (nur noch Liveview funktionierte).

Die Fotosession wurde beendet, da ein Guide leckere Rentiersteaks fertig gebraten hatte. Die waren köstlich !!! Frisch aus der Pfanne aufs Brot, darauf Preiselbeeren – ein Gedicht.

Mit viel Verspätung fuhren wir wieder zurück, nicht ohne wieder Zwangsstopps zu haben wegen des anderen Schneemobilfahrers, der sehr langsam fuhr.

Gegen 16:20 h waren wir wieder im Hotel und genossen unsere Teatime mit Plätzchen und logisch: Tee. Natürlich war auch wieder Sauna angesagt.

Nach dem Abendessen trafen wir uns alle in der Kota. Das ist die Bezeichnung für die traditionellen Behausungen der Samen – sowohl die stationären Hütten als auch für mobile Zelte. Hier sang für uns heute ein Same den Joik – eine samische Art des Jodelns, wobei allerdings auch Gesangseinlagen dazwischen sein können. Schwer zu beschreiben diese zum Teil schwermütig klingende Art der Darbietung, auch wenn diese oftmals nicht schwermütig gemeint ist. Der Sänger trug auch seine Samentracht und erklärte ein bisschen die Bedeutung der Kleidung. Ein Problem war nur, dass sein Englisch sehr schlecht war und wir so zum Teil raten mussten, was er meinte.

Zunächst sang er 4 – 5 kurze Lieder und setzte sich dann hin und starrte ins Feuer. Keiner von uns wusste, ob es jetzt weitergeht oder nicht. Ab und zu sagte er wieder etwas, aber ein weiteres Lied kam erst nach geraumer Zeit. So harrten wir in der verräucherten Kota aus und warteten. Ich wurde die ganze Zeit an den Film erinnert, den wir am Dienstag gesehen hatten: Die Szene, als der Schweizer erzählte, dass hier ein Besucher ins Haus kommt, sich hinsetzt, 15 Minuten nichts sagt und dann wieder verschwindet.

Unser Sänger sang dann noch 2 Lieder. Danach erzählte Herr Kappest uns noch ein bisschen über die Samen. Nach ein paar abschließenden Fotos verschwand jeder in seinem Bett.

 

Samstag, 02.02.2013

 

Nach dem Frühstück begann ein wundervoller Tag. Wir machten heute unseren Ausflug nach Näkkälä. Über den Ort hatten wir am Dienstag schon den Film gesehen und konnten ihn heute live erleben. Unterwegs kam die Sonne heraus und tauchte die Landschaft in ein schönes Licht. Da machten uns die minus 10 Grad Celsius nun wirklich nichts aus.

Das erste Highlight waren 3 Rentiere, welche neben der Straße durch den Schnee liefen. Unsere Busfahrerin hielt brav an und wir konnten unsere Fotos machen. Die Freude wurde nur ein wenig getrübt durch ein totes Rentier, welches Opfer eines Autounfalls geworden war.

Dann hielten wir in Näkkälä an einer Brücke und je länger wir dastanden, umso besser wurde das Fotolicht: Die Sonne tauchte die Gegend von Minute zu Minute immer mehr in warmes Licht.

Unser Guide führte uns dann zunächst durch den tiefen, in Sonnenlicht getauchten Schnee zu einem heiligen Felsen der Sami. Dort werden heute noch Opfer gebracht – der Moderne geschuldet in Form von Euromünzen. Auch Beatrice opferte eine Münze und umrundete den Felsen im tiefen Schnee dreimal. Vielleicht erfüllt sich ihr Wunsch ?

Anschließend ging es langsam – denn jeder wollte natürlich so viele Fotos wie möglich machen – zu einer Kota, wo schon Kaffee, Tee und belegte Brötchen auf uns warteten. Auch konnte jeder ein Würstchen über dem offenen Feuer grillen. Während wir grillten und aßen, erzählte der lokale Führer über die Rentierzucht. Trotz des offenen Feuers wurden wir nicht so eingeräuchert wie gestern, waren aber dennoch froh, die Thermoanzüge und nicht die eigenen Kleidungsstücke anzuhaben J.

Als wir die Kota verließen, hatte uns auch die Sonne verlassen. Schade, aber so gingen wir so schnell wie möglich durch den Tiefschnee zurück zum Bus, um zum Rentier-Scheideplatz zu fahren. Es waren natürlich keine Rentiere da, aber so konnten wir uns einen eigenen Eindruck über die Größe der Anlage verschaffen.

Abschließend fand noch ein Lassowettbewerb statt. War schon lustig, aber unsere Trefferquote war zu gering, um als Sieger vom Platz gehen zu können.

Gegen 16:20 h waren wir wieder im Hotel, zogen uns um und brachten die geliehenen Thermoanzüge und -schuhe zurück. Anschließend war wieder Teestunde, Sauna und Relaxen angesagt.

Nach dem Abendessen trafen wir uns ein letztes Mal im Konferenzraum und konnten einen Film aus dem Jahr 2011 ansehen. Damals hatte ein Paar an 7 von 10 Tagen bei bestem wolkenfreien Wetter sagenhafte Polarlichter über dem Hotel gesichtet und diese mit der Videokamera aufgenommen. Wir alle waren ganz schön neidisch, da wir noch überhaupt keine Polarlichter gesehen hatten. Zum Lachen reizten uns vor allem die Kommentare der Ehefrau – der Originalton des Videos war noch vorhanden.

Nach diesen sehr beeindruckenden Bildern setzten wir uns noch in der Hotellobby zusammen und ließen den Urlaub Revue passieren.

Um 22:30 h gingen alle langsam schlafen, da morgen früh das Frühstück bereits um 7 h serviert werden sollte. Um 8 h war der Transport zum Flughafen geplant. Wir gingen also auch zu unserem Zimmer, schauten aber nochmals kurz vor die Tür. Der bis dahin zugezogene Himmel hatte Wolkenlücken bekommen. Sollte es etwa noch mit Polarlichtern klappen ?????

Wir holten schnell die Fotoausrüstung aus dem Zimmer, bauten diese im Schnee auf und warteten. Zunächst ganz zaghaft, dann aber doch sehr gut sichtbar zog sich ein Streifen Polarlicht über den Himmel. Da mittlerweile unsere Truppe vollzählig draußen stand, klackten jetzt die Fotoapparate im Minutentakt (30 Sekunden Belichtung, 15 Sekunden Speicherzeit). Das Polarlicht war zwar nicht so spektakulär wie wir es vorhin auf dem Video gesehen hatten, aber wir waren alle ganz begeistert. Erst am

 

Sonntag, 03.02.2013

 

um 0:30 h hörte das Spektakel endgültig auf und wir bauten die mittlerweile durch und durch geeisten Kameras ab. Zum Glück hatte es „nur“ minus 10 Grad Celsius, da war der Kälteschock für die Elektronik nicht ganz so heftig.

Um 6:15 h weckte uns unser iPhone. Puh, so frühes Aufstehen waren wir nicht mehr gewohnt !

Nach dem Packen gab es ein letztes leckeres Frühstück, heute sogar mit frisch gegrilltem Lachs. Alle waren trotz der frühen Morgenstunde noch ganz glücklich über den gestrigen Tag und vor allem Abend.

Pünktlich um 8 h kamen die Busse, um uns zum Flughafen zu fahren. Unterwegs entdeckten die Fahrer ein durch den Tiefschnee irrendes Pferd und riefen Hilfe herbei. Das scheint hier in Finnland üblich zu sein, denn schon gestern erklärte der Rentierzüchter in Näkkälä, dass dies selbstverständlich sei, denn irgendwann könne es sich auch um das eigene Tier handeln, und dann wäre man auch froh.

Am Flughafen verabschiedeten wir uns von unserer Gruppe, welche bereits heute nach Hause flog. Wir wurden weiter nach Lainio, eine der beliebtesten Skiregion finnisch Lapplands, gebracht. Hier liegt auch das nördlichste Eishotel Finnlands, das Snowvillage Lainio (mit rund 1.500 Tonnen Kunstschnee und 300 Tonnen Eis werden 3.000 qm Fläche überbaut).

Bei der Ankunft gab es zunächst fragende Gesichter an der Rezeption, denn es war nicht klar, ob wir eine Suite oder „nur“ ein Hotelzimmer gebucht hatten. Unser Voucher und die Reservierung widersprachen sich da. Wir einigten uns aber sehr schnell auf die Suite (J). Da es noch früh am Tag war, schlossen wir unser Gepäck ein und besichtigten ausgiebig das Hotel. Uns umfing sofort ein Gefühl, als würde man im Gefrierschrank spazieren gehen. Und da sollen wir schlafen ? Die Betten bestehen aus Plastikmatrazen, auf welche später dann Schlafsäcke gelegt werden. Das kann ja heiter werden !

Die Suites waren alle mit verschiedenen Themen gestaltet, wohingegen die Zimmer nur einfache Eishöhlen waren. Für die Nacht suchten wir uns die Suite mit dem Wikingerschiff aus.

Sehr beeindruckend, was hier aus Eis und Schnee gebaut worden war. Selbst eine Kapelle mit Altar war vorhanden. Um bessere Bilder zu bekommen, zündeten wir den Kerzenleuchter an, bliesen danach aber schnell die Kerzen wieder aus, damit das Hotel nicht abbrennt. Kein Witz, aber hier hängen wie in jedem „normalen“ Hotel überall Feuerlöscher an den Wänden.

Den sog. Notfallraum besichtigten wir auch. Dies ist ein ganz normaler Raum, welcher allerdings geheizt wird. Auch die Duschen und Toiletten sowie die Sauna sind dort.

Nachdem wir diesen Teil des Hotels „eiskalt“ überstanden hatten, wärmten wir uns im geheizten Restaurant bei einem Tee auf, ehe wir die Eisbar und das Eisrestaurant besuchten. Immerhin soll es dort heute Abend unser Dinner geben. Auch hier war wieder alles sehr mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

Draußen schneite es ununterbrochen, weshalb wir den Nachmittag im geheizten Restaurant lesend und spielend verbrachten.

Um 17:00 h wurden wir wie die anderen Übernachtungsgäste durch das Hotel geführt. Gleichzeitig erhielten wir Informationen zum Bau des Hotels. Kunstschnee wird verwendet, da sich dieser leichter formen lässt. Auch ist dieser sofort verfügbar, sobald es kalt wird. Der Bau der gesamten Anlage dauert ca. 4 Wochen. Zum Teil werden hochkarätige Eisschnitzer angestellt, um die Figuren zu gestalten. Das Eis wird im Frühjahr aus den vereisten Bächen und Flüssen in Blöcken geschnitten und bis zur endgültigen Verwendung gelagert. Deshalb ist manchmal auch ein Blatt oder etwas Schilf im Eis zu sehen.

Nach der Führung liehen wir uns Minigolfschläger (5 € / Person !) und spielten auf der aus Eis gebauten Minigolfanlage. „Natürlich“ gewann Beatrice alle beiden Runden (Peter: L, Beatrice: J)

Das Abendessen wurde pünktlich serviert. Wir saßen vollständig eingemummelt am Tisch. Mit dicken Handschuhen lässt sich schlecht essen ! Gegen die Kälte lagen Iso-Matten auf den Bänken und unter den Schuhen. Zusätzlich saßen wir auf einer Fleece-Decke. Das 3-Gang-Menü war lecker und ein bunter Streifzug durch die finnische Küche. Ob es den Preis von 56 € / Person wert war, wollen wir jetzt nicht diskutieren.

Nach dem Essen tranken wir an der Eisbar noch den heimischen Pfefferminzschnaps. Lecker und süffig. Da das Eisglas Beatrice aus den behandschuhten Händen glitt, mussten wir noch einen trinken J.

Gut gekühlt, wärmten wir uns bei einem Drink im beheizten Restaurant am offenen Feuer auf. Dann begann der eigentliche Teil des Abenteuers: Schlafenszeit war angesagt !

Wir brachten unsere Tageskleidung und die Waschtaschen in den Notfallraum, zogen lange Unterwäsche und Wandersocken an, setzten die Mützen auf und schnappten uns unsere Schlafsäcke und Inlets. Als Schuhe trugen wir unsere Fellhausschuhe – und dann ging es ab in unser Wikingerzimmer. Es war schon erfrischend, bis wir jeder im Schlafsack eingewickelt waren und unsere Körper sich an das Klima gewöhnt hatten. Unsere Nasen steckten wir in den Schlafsack, denn draussen lassen war zu kalt. Sich bewegen war auch schwierig, da die Mumienschlafsäcke eng anlagen.

Das Licht wird zentral gesteuert und bleibt in den Zimmern immer eingeschaltet. So soll verhindert werden, dass jemand in der Dunkelheit stürzt, wenn er mal muss. Die Kälte der Matratzen spürten wir kaum, dafür in der Nacht umso mehr unsere Hüftknochen, auf denen wir lagen. Dennoch schliefen wir bald ein.

 

Montag, 04.02.2013

 

Mitten in der Nacht fiel das Licht aus. Zappenduster war es ringsum, aber wir hatten zur Not unser iPhone als Taschenlampe dabei.

Um 8 h wurden wir mit einem Becher warmen Beerensaft geweckt. Wir huschten dann schnell durch die Gänge des Eishotels Richtung Notfallzimmer und Duschen. Aaaah, tat die Dusche gut ! Unsere doch leicht steifen Körper wurden durch das warme Wasser wieder gelenkig. Da wir die Kleidung über Nacht im Warmen gelagert hatten, bekamen wir jetzt auch keinen Kälteschock.

Nach dem Frühstück warteten wir auf unser Taxi zum Flughafen. Draußen schneite es bei minus 6 Grad Celsius unaufhörlich. Auf Kälte hatten wir keine Lust mehr, weshalb wir im warmen Restaurant blieben.

Pünktlich kam unser Fahrer und brachte uns durch das tief verschneite Finnland zum Flughafen. Auch wenn es leicht schneite und die Landschaft demzufolge mehr grau als strahlend weiß war, ist der Anblick der dick in Schnee eingepackten Bäume unvergesslich.

Unser Flieger hob mit 30 Minuten Verspätung ab, da er erst noch enteist werden musste.

In Helsinki musste Peter den Sicherheitsbereich verlassen, da er erst noch zur Tax Refund-Stelle gehen wollte. Dort bekam er anstandslos die gezahlte Steuer auf das in Norwegen gekaufte Messer der VISA-Card wieder gutgeschrieben.

Auch der Flieger nach Düsseldorf hob mit 30 Minuten Verspätung ab. Der Flug war problemlos und der Transfer vom Flughafen zu unserem Auto klappte ebenso wie am Schnürchen.

Die Autobahn war schneefrei (ein lange nicht mehr gesehener Anblick) und so sind wir um 20:30 h wieder daheim. Ein schöner Urlaub ist damit leider zu Ende.

 

P.S.: Peter’s Koffer wurde durch die Security geprüft. Das Einwegfeuerzeug als „gefährliches Gut“ wurde heraus genommen und einbehalten. Ob die Jungs auch den Whisky in der Thermoskanne probiert hatten ? Diese war nämlich leicht aufgedreht, weshalb die schmutzige Wäsche aromatisch nach Macallan duftete :-).