Israel, Jordanien & Palästina 2014

Nach Peters Operation letztes Jahr wurde es dringend Zeit, dass wir mal wieder Urlaub machen. Und das wäre um ein Haar richtig schief gegangen: im Dezember 2013 hatten wir eine Rundreise durch Israel und Jordanien gebucht und waren der Meinung, dass die Reise ab und bis Deutschland geht. Umso größer war unser Schock, als am 5. Mai die Bestätigung kam und wir erkennen mussten, dass wir nur die Rundreise gebucht hatten. Ein Flug nach Israel war nicht dabei. Jetzt war guter Rat teuer. Immerhin sollte die Reise in zehn Tagen beginnen. Aber dank Westtours hatten wir das Glück, noch zwei Plätze in der EL AL-Maschine ab Frankfurt um 11 h zu bekommen. So konnten wir beruhigt die letzten zehn Tage vor dem Beginn des Urlaubs mit Arbeit im BMZ ausfüllen und uns auf die Reise freuen.

 

Donnerstag, 15.05.2014

 

Morgens um 5:30 Uhr ging der Wecker. Gepackt war alles, so dass wir zügig mit der Straßenbahn Linie 66 und dem ICE zum Frankfurter Flughafen kamen. Wir befürchteten, lange am Schalter anstehen zu müssen. Umso größer war unsere Freude, als wir vor uns nur etwa zehn Personen hatten (und um uns herum mehrere schwer bewaffnete Polizisten). Nach den üblichen Fragen (Haben Sie den Koffer selbst gepackt, wo stand der Koffer heute Nacht, befinden sich gefährliche Güter im Koffer) durften wir einchecken und uns in den Abflugbereich begeben. Leider gab es dort nur einen kleinen duty free Shop, so dass wir die Zeit bis zum Abflug mit Lesen verbrachten. Wir konnten dabei die ersten strenggläubigen Juden mit ihren Schläfenlocken, dem Hut und den schwarzen Mänteln beobachten. Dank dem Buchtipp von Nicole (Ruth Kinet "Israel - Ein Länderportrait" => sehr informativ und lesenswert) hatten wir schon einen theoretischen Einblick in die Lebensart dieser Strenggläubigen bekommen und konnten jetzt Theorie und Wirklichkeit miteinander vergleichen. Auch fielen uns die vielen schwangeren Jüdinnen auf. Aber auch darauf waren wir durch die Lektüre des Buches vorbereitet.

Kurz bevor wir in die Maschine einsteigen wollten, hielten uns zwei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma zurück. Wir wurden gefragt, welcher Art die arabischen Schriften in unserem Koffer seien. Wir wussten zuerst gar nicht, was sie meinten, kamen allerdings nach einer kurzen Überlegungszeit darauf, dass es sich um den Reiseführer Jordanien handeln musste. Mit dieser Antwort gaben sich die Mitarbeiter zufrieden und wir durften einsteigen.

Der Flug an sich war problemlos und so landeten wir um 16:30 Uhr in Tel Aviv. Die Passkontrolle dauerte etwas, aber dann konnten wir unsere Koffer am Gepäckband abholen. Dort trafen wir eine Mitarbeiterin von Meyers Weltreisen, die uns erlaubte, den Transfer Bus ins Hotel mit den anderen Rundreisegästen gratis mit zu benutzen.

Nach einer fast 1,5-stündigen Fahrt durch den Abendverkehr von Tel Aviv (Stau, Stau, Stau) kamen wir im Hotel TAL an. Nichts Besonderes, aber sauber und in Meeresnähe. Nach dem Bezug des Zimmers erwartete uns ein leckeres Abendessen-Buffet und wir konnten die ersten Reisenden näher kennen lernen. Ein bißchen drücken wir den Altersschnitt J.

Gut gestärkt gingen wir noch um die Ecke des Hotels in eine Art Vergnügungsmeile und suchten einen Geldautomaten. Nach langem Suchen fanden wir einen solchen, aber Peter war zu blöd, die Karte richtig herum hinein zu stecken. Erst als Beatrice ihm zeigte, wo der Magnetstreifen sein musste, klappte es und wir hatten unsere ersten 1000 Schekel in der Hand. 45 Schekel gaben wir gleich aus, um zwei leckere Eistüten am Meer zu essen. Obwohl es schon fast um 22 Uhr war, war die Temperatur noch sehr angenehm.

Danach gingen wir zurück ins Hotel, duschten und legten uns schlafen. Morgen beginnt unsere Rundreise. Wir sind schon sehr gespannt.

 

Freitag, 16.05.2014

 

Um 6:30 h standen wir auf. Nach deutscher Zeit ist dies 5:30 h !! Mit Ausschlafen auf der Tour wird wohl nichts, aber wir wollen ja auch etwas sehen.

Das Frühstück war reichhaltig und lecker. Wir aßen reichlich, denn der heutige Tag versprach anstrengend zu werden.

Pünktlich um 8:00 Uhr fuhr der Bus los. Zunächst ging es Richtung Caesarea. Dort besichtigten wir die Ausgrabungsstätten. Direkt am Meer gelegen, boten sich uns viele Fotomotive. Leider stand nicht mehr sehr viel, so dass es einer sehr großen Portion Fantasie bedurfte, um sich alles vorstellen zu können. Aber auch so genossen wir die Sonne und das schöne Wetter und freuten uns, endlich Urlaub zu haben. Mit der Gruppe gingen wir durch das gesamte Gelände und kamen am anderen Ende wieder raus. Dort löschten wir unseren Durst mit frisch gepressten Obstsäften. Anschließend fuhren wir ein kurzes Stück bis zum Aquädukt. Dort hielt der Bus nur kurz, ohne  dass wir aussteigen konnten. So musste ein Foto durch die Busscheibe genügen.

Nächstes Ziel des heutigen Tages war die Stadt Haifa. Hier fuhren wir zum oberen Ende der hängenden Gärten und konnten diese von oben besichtigen. Logischerweise boten sich auch hier viele Fotomotive. Viel zu schnell waren die uns zugestandenen 20 Minuten um. Anschließend ging es in die Unterstadt von Haifa, wo der Bus noch einmal hielt, um die Gärten von unten zu sehen. Wären wir alleine gewesen, hätten wir den Eingang in der Mitte noch genutzt, um durch die Gärten durchzugehen. So aber mussten wir weiterfahren, da die Stadt Akko heute noch auf dem Plan stand.

Dort angekommen, besichtigten wir die ehemalige Altstadt. Diese war lange Jahrhunderte verschüttet, so dass kaum etwas durch Kriege oder Ähnliches zerstört war. Auch hier hätten wir sehr gerne noch länger besichtigt, aber das ist bei einer Gruppenreise eben nicht möglich. Nach dieser Besichtigung stärkten wir uns bei einem gemeinsamen Mittagessen. Es gab Fladenbrot wahlweise mit oder ohne Fleisch sowie diverse Gemüsesorten. Dazu wurde Zitronensaft als Getränk gereicht. Als Nachtisch gab es Wassermelone. Mindestens einem Mitreisenden konnten wir ansehen, dass damit sein Geschmack nicht getroffen wurde. Egal, uns hat es geschmeckt.

Gut gestärkt durchstreiften wir dann mit der Gruppe die Altstadt. War ganz nett, aber nichts Besonderes. Anschließend hatten wir 1 Stunde zur freien Verfügung. Wir gingen ein bisschen an der meerseitigen Stadtmauer entlang, machten Fotos und stärkten uns bei einem Pfefferminztee. Da Beatrice noch zwei Postkarten kaufen wollte, kamen wir nicht umhin, noch zwei Eis auf die Hand zu kaufen J. Auf die letzte Minute erreichten wir unseren Bus. Er fuhr auch sofort los zu unserem heutigen Tagesziel nach Tiberias am See Genezareth.

Von der Küste aus ging es auf einer Art Autobahn durch das Karmel-Gebirge. Gebirge ? Ich würde es Berge bzw. Hügel nennen. Wir kamen an so geschichtsträchtigen Orten wie Nazareth und Kanaa vorbei, stoppten jedoch nicht. Wenn wir alleine gewesen wären......

Als wir im Hotel Prima Galil ankamen, war es 16:30 Uhr. Für ein Verbleiben im Hotel war es viel zu früh. Außerdem ist das Hotel zwar sauber und gepflegt, aber nichts Besonderes à la UMFULANA. Also gingen wir hinab zum See Genezareth und erkundeten 211 Meter unter dem Meeresspiegel die Uferpromenade. Es war zwar sehr schön warm, allerdings pustete ein kräftiger Wind. Da wir keine sehenswerte Altstadt fanden, stärkten wir uns bei einer Cola und beobachteten die Touristenboote auf dem großen See. Zum Leidwesen von Beatrice gab es auch keinen Sandstrand. So musste sie ihren Plan, etwas Sand vom See Genezareth mitzunehmen, erst einmal fallen lassen.

Wieder im Hotel, gingen wir zum Abendessen. Seitens des Hotels waren für jede Gruppe Tische reserviert worden. Da es aber jeweils Tische mit neun Plätzen waren, hätten wir jeder an einem anderen Tisch sitzen müssen, da die anderen Plätze schon belegt waren. Wir setzten uns deshalb an einen freien Tisch, was zu leichter Konfusion bei anderen Gästen beziehungsweise dem Hotelpersonal führte. Uns war es egal, wir aßen und tranken und stärkten uns.

Mit vollen Bäuchen gingen wir zurück in unser Zimmer. Dort duschten wir und lasen anschließend, bis uns die Augen zufielen.

 

Samstag, 17.05.2014

 

Morgens kitzelte uns die Sonne aus dem Bett. Obwohl es nach deutscher Zeit erst um 5:30 h ist, fiel uns das Aufstehen leicht. Ruck-zuck war die Morgentoilette erledigt und das reichhaltige Frühstück verdrückt. Die biblischen Stätten konnten kommen !

Zuerst fuhren wir am See Genezareth entlang zum Berg der Seligpreisungen. Oben angekommen, besuchten wir die gleichnamige Kirche. Hübsch gelegen und noch nicht so überlaufen, konnten wir diese mehr oder weniger in Ruhe erkunden. Das einzige Minus war die Zeitvorgabe unserer Reiseleiterin. Aber das Problem wird uns wohl die ganze Reise über begleiten.

Danach fuhren wir an den Golanhöhen entlang zur libanesischen Grenze. Links und rechts der Straße warnten Schilder vor Minen. Ab und zu war ein Erdbunker zu erkennen. Das Ganze machte nicht gerade den Eindruck, als wäre hier die Welt in Ordnung.

Nach einer weiteren kurzen Fahrt erreichten wir die Banyas-Quellen. Ein paar Ruinen kündeten hier von früheren Tempeln. Viel zu erkennen war nicht mehr. Umso mehr freuten wir uns, als wir mehrere Klippschliefer sahen. Eine ganze Familie dieser hasengroßen Nagetiere war knapp 3 Meter von uns entfernt und ließ sich fotografieren. Ein schönes Highlight bei den Ruinen.

Anschließend fuhren wir durch die Golanhöhen-Höhen. Eine fruchtbare Gegend, welche aber spärlich besiedelt ist. Wie unsere Reiseleiterin erzählte, haben die hier Wohnenden steuerliche Vorteile, da sie nahe zur libanesischen und syrischen Grenze wohnen. Auch hier warnten wieder Schilder vor Minen, welche wahrscheinlich noch aus dem 6-Tage-Krieg stammen. Unterwegs erzählte unsere Reiseleiterin noch die israelische Sicht der Dinge bezüglich des Zusammenlebens von Juden und Arabern.

Nach diesem Abstecher wurde es wieder christlich. Wir fuhren zurück an den See Genezareth und hielten zuerst in Kapernaum. Dort war das Haus des Petrus ausgegraben worden, über dessen Ruinen eine moderne Kirche gebaut worden war. Außerdem standen noch einige Ruinen, welche im Sonnenlicht hübsch zu fotografieren waren. Die Bronzestatue meines Namensvetters stellte angesichts der Lichtverhältnisse eine fotografische Herausforderung dar.

Anschließend fuhren wir ein kurzes Stück und erreichten die Brotvermehrungskirche. Eine wirklich hübsche Anlage empfing uns. Dank dem Stativ konnten wir auch Innenaufnahmen machen. Eine feierliche Stimmung kam allerdings nicht auf, da das Gewusel der vielen Touristen zu störend war.

Vor dem sich anschließenden Mittagessen hielten wir noch in einem Kibbuz, wo jeder, der wollte, junge Kälber fotografieren konnte. Wir wollten nicht ! Wir hatten Hunger !

Das Mittagessen nahmen wir direkt am See Genezareth ein. Ein Open-Air-Restaurant, welches auf viele gleichzeitig eintreffende Busladungen vorbereitet ist, erwartete uns. Wir hatten Glück, denn unsere Tische standen direkt am See. Peter hatte einen leckeren gegrillten Peterfisch (der heißt wirklich so !) und Beatrice nahm das (frittierte) Fischfilet (von dem sie gar nicht begeistert war). Dazu gab es Hummus, Salat, Brot und Datteln.

Da wir direkt am See saßen und hier endlich auch so etwas wie ein Sandstrand war, konnten wir doch noch Sand vom See Genezareth für die Sandsammlung von Beatrice einsammeln.

Für die geplante Bootsfahrt auf dem See Genezareth war es noch zu früh, sodass wir einen (ungeplanten) Abstecher nach Yardenit machten. Dort kann jeder, der will ein weißes Hemd kaufen und sich selbst im Jordan taufen. Als wir ankamen, machte dieses Spektakel gerade eine größere Gruppe aus Indien. Peter zippte seine Hosenbeine ab und stieg auch in den Jordan. Sofort kamen viele kleine Putzerfische und knabberten an den Füßen. Es kitzelte ganz schön !

Danach fuhren wir wieder zurück nach Tiberias und bestiegen im Kibbuz Nof Ginossar unser nachgebautes Jesus-Boot. Was würden die Leute heute nur machen, wenn es Jesus nicht gegeben hätte !

Die halbstündige Bootsfahrt war sehr schön, aber viel zu schnell vorbei. Anschließend fuhren wir ins Hotel, wo wir den Staub des Tages erstmal im Pool abwuschen. Herrlich erfrischt, duschten wir anschließend und gingen Abendessen. Das Essen zog sich heute über 2 Stunden hin, da wir uns mit den Tischnachbarn angeregt unterhielten.

Ein interessanter Tag neigte sich seinem Ende zu und wir gingen in unser Zimmer, denn morgen wird es wieder spannend. Es geht weiter nach Jordanien. Wir sind schon ganz schön gespannt auf das Land.

 

 

 

 

Sonntag, 18.05.2014

 

Eigentlich hieß es um 6:30 h Ortszeit aufstehen. Wir waren aber schon früher wach und standen deshalb auf. Die Sonne begrüßte uns und verhieß uns einen schönen Tag.

Um 8 h fuhren wir zur jordanischen Grenze ab. Zunächst ging die Fahrt am See Genezareth und anschließend am Jordan entlang. Die Landschaft war fruchtbar und wir konnten rechts und links Mangos, Bananen und Avocados sehen. Nach etwa einer Stunde erreichten wir die jordanische Grenze am Jordan River Terminal. Zunächst mussten wir aus Israel ausreisen. Unsere Reiseleiterin besorgte dafür die Permits. Nachdem alle den Stempel im Pass hatten, führte der weitere Weg automatisch durch den Duty Free-Laden, wo Beatrice m&m Peanutbutter sah. Schwuppdiwupp war ein Paket gekauft. Ich nutzte meinen Pass und kaufte für unsere Reiseleiterin Miriam diverse Süßigkeiten, da sie als Nichtausreisende diese sonst nicht bekommen hätte.

Anschließend zahlte jeder 5 Schekel und wir wurden von einem Transferbus zur jordanischen Grenzstation gebracht. Dort mussten wir mit der Einreise warten, da vor uns zwei Reisegruppen waren. Unser neuer Reiseleiter Achmed managte aber alles für uns, sodass Peter in Ruhe eine Katze streicheln konnte, die sich ihm auf den Schoß gelegt hatte, ohne auf die Reihenfolge der Einreisenden achten zu müssen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir an die Reihe und wurden abgefertigt. Danach wurde das Gepäck durchleuchtet und Peter musste seinen Koffer öffnen. Auch die Kameratasche wurde genauestens inspiziert. Wenn wir glaubten, dass es jetzt endlich losgehen könnte, hatten wir uns aber getäuscht. Bei der Passkontrolle am letzten Zollhäuschen zweifelte der Zöllner nämlich an, dass Peter der Typ auf dem Passfoto ist. Erst als ein zweiter Zöllner meine Identität als nachgewiesen ansah, konnte es endlich weitergehen und wir nach Jordanien einreisen.

Der Weg führte durch bergiges Gebiet mit zum Teil richtig steilen Straßen. Ortschaft wechselte sich mit Ortschaft ab, währenddessen Achmed über Jordanien erzählte. Im Gegensatz zu Miriam hat er keine so schreiende Stimme, was richtig angenehm war. Unterwegs sahen wir einige UNHCR-Zelte, in denen allerdings keine Flüchtlinge wohnten. Diese Zelte waren entweder von Flüchtlingen weiterverkauft worden oder hatten ihr Bestimmungsziel nicht erreicht J.

Unser erster Halt war in Pella, wo wir Tempelruinen besichtigten. Staubig und warm war es, aber Achmed verstand es, uns alles interessant zu erklären.

Anschließend fuhren wir durch die Berge weiter nach Gerasa. Dort kehrten wir in ein jordanisches Restaurant ein und wurden mit einem leckeren Mittagessen belohnt: frisch gebackenes Fladenbrot, Hummus, diverse Dips, gegrilltes Fleisch, Salate, Kaffee, Süßigkeiten und als Getränk Zitronensaft mit Minze. Lecker !!!! Dafür zahlten wir umgerechnet 15 pro Person und hatten dafür mehr als in Israel bekommen. Ach ja, keiner von uns hatte jordanische Dollar und damit wir bezahlen konnten, lieh Achmed jedem von uns 50 jordanische Dinare. Toller Service - überhaupt haben wir mit ihm wohl das große Los gezogen.

Pappsatt fuhren wir zur Ausgrabungsstätte von Gerasa. Die Ausgrabungsstätte wird anscheinend auch die Stätte der 1000 Säulen genannt, da eine Unzahl von Säulen den Weg durch die Anlage säumt. Achmed wusste auch hier viel zu erzählen, und so verlief unser Weg von fast drei Kilometern durch die Anlage recht kurzweilig. Der krönende Abschluss war im letzten Theater ein jordanischer Dudelsackspieler und ein Trommler, die für uns musizierten. Sehr beeindruckend und wirklich ein Highlight. Als wir die Anlage verließen, kaufte Peter noch ein blau gemustertes Beduinenkopftuch für 7 jordanische Dinare (etwa 8 ) für die nächste Führung, um sich gegen die Sonne schützen zu können. Wer seinen Sonnenhut daheim vergisst..........

Bis Amman waren es noch 40 Kilometer und je näher wir der Stadt kamen, umso besiedelter wurde es. Kurz vor der Stadt kamen wir an einem palästinensischem Flüchtlingslager vorbei. Hier wohnte keiner mehr in Zelten; vielmehr hatten sich alle Häuser gebaut, ohne jedoch jordanische Staatsbürger zu sein. Wie Achmed erzählte, sind alle staatenlos.

In Amman angekommen, hielt der Bus vor einer Wechselstube bzw. einem Geldautomaten. Wir konnten hier endlich Geld holen und Achmed seine 50 jordanischen Dinare zurückgeben. Im Century Park Hotel angekommen, duschten wir in aller Ruhe und gingen anschließend essen. Das Buffet war lecker, aber nicht ganz so vielseitig wie im Hotel in Tiberias. Wir wurden aber satt - und das nicht nur wegen des leckeren Nachspeisebuffets.

Danach ging es heia. WiFi gibt es hier nur gegen Extragebühr,  weshalb Tolino & Co. wieder ran mussten, ehe uns die Äuglein zufielen.

 

Montag, 19.05.2014

 

Auch heute begann der Tag sehr früh, denn heute sollte es in die Wüste zu den Schlössern gehen. Das Frühstück war wieder reichhaltig und lecker und so konnten wir gestärkt die Wüstenschlösser-Tour beginnen.

Zunächst ging es durch Amman Richtung des Sklavenschlosses Qasr el Abd. Der Weg wand sich Richtung Westen bergauf und bergab und wir wurden bei den vielen Schwellen in den Straßen gut durchgeschüttelt. Kurz vor Erreichen des Sklavenschlosses Qasr el Abd besichtigten wir die Felsenhöhlen Iraq el Amir. Diese waren in vergangenen Zeiten als Wohnräume genutzt worden. Heute dienen sie als Unterschlupf für das Vieh. Die Höhlen waren ganz nett, aber nichts Besonderes. Anmerkung am Rande: Zum Schutz gegen die Sonne trug Peter heute sein gestern gekauftes Kopftuch und sah so wie die Billigausgabe von Lawrence von Arabien aus.

Kurz darauf erreichten wir das Sklavenschloss Qasr el Abd, was der Legende nach von einem Sklaven erbaut wurde, damit er seine Wunschfrau heiraten konnte. Aber schon vor der Fertigstellung wurde es nichts aus der Hochzeit, weshalb das Schloss nie ein Dach bekam. Soweit die Legende. Die berühmten übergroßen Tierskulpturen waren nur noch in Fragmenten erhalten. Auch innen drin war es mehr Ruine als Prachtbau. Gut, eigentlich war es mal komplett eingestürzt und französische Archäologen hatten es wieder aufgebaut. Aber schade war es doch, dass nicht mehr viel an ein "Schloss" erinnerte.

Nach diesem Start in den "Besichtigungs-"Tag fuhren wir wieder durch Amman Richtung Osten. Achmed versuchte zur Auflockerung, uns ein paar Brocken Arabisch beizubringen. Für unsere Ohren klingt das alles sehr fremdartig - und ich gebe zu, dass ich jetzt, wo ich dieses Tagebuch schreibe, nichts mehr davon kann.

Die Wüste hinter Amman ist keine Sandwüste, so wie wir uns eine Wüste vorstellen. Vielmehr war sie mehr dunkel bis schwarz gefärbt, da durch Vulkanausbrüche in vergangenen Tagen viele scharfkantige Vulkansteinchen den harten Boden bedeckten. Weit hinter Amman und vor Erreichen der Oase Azraq fuhren wir an einem Flüchtlingslager für syrische Flüchtlinge vorbei. Statt in Zelten lebten diese in festen Häusern. Das Lager wurde schwer bewacht, damit kein Flüchtling das Lager unerlaubt verlassen konnte.

Nach diesem bedrückenden Eindruck kamen wir an eine Kreuzung, wo es links nach Syrien und rechts nach Saudi-Arabien ging. Hier machten wir einen Fotostopp, denn für uns klangen beide Namen in dieser Zusammenstellung doch sehr fremdartig.

Das nächste Highlight war das Wüstenschloss Qasr al Asrad, in dem Lawrence von Arabien einige Tage verbracht hatte. Beeindruckend hier waren die Türen aus Stein, welche drehbar gelagert waren und trotz der Schmierung einige Kraft verlangten. Die Räume selbst waren nicht mehr bewohnbar, sondern bestanden aus unverputzten Steinwänden. Wahrscheinlich war das Schloss in den vergangenen einhundert Jahren mehrfach ausgeraubt und anschließend dem Verfall anheim gegeben worden, ehe es zu einer touristischen Attraktion erklärt wurde. War aber trotzdem ganz nett anzusehen.

In der Nähe dieses Schlosses nahmen wir bei einer drusischen Familie unser Mittagessen ein. Spezialität war ein "umgekippter" Reisauflauf. Dazu gab es die üblichen Salate, Nudeln, Reis, Hühnchen sowie süßen Kuchen. Es war wie gestern sehr lecker, auch wenn Beatrice angesichts der täglichen leckeren Essen langsam um ihre Figur bangt.

Gut gestärkt besuchten wir das nächste Wüstenschloss Qasr Amra, welches eigentlich "nur" ein Bad gewesen war. Berühmt hier sind die zum Teil erotischen Wandmalereien, die gerade von einem italienischen Team restauriert wurden. Ansonsten war das Gebäude noch sehr gut erhalten.

Nach dieser Besichtigung wurden wir am Ausgang in ein Beduinenzelt gebeten, wo uns gewürzter Tee und Kaffee angeboten wurde. Der Kaffee war nicht so der Kracher, aber der Tee schmeckte sehr lecker.

Als letztes Wüstenschloss stand Qasr Kharrana auf dem Plan. Dieses Schloss war früher eine Karawanserei und in seinen Grundmauern noch sehr gut erhalten. Wir durchstreiften das doppelstöckige Gebäude ausgiebig, ehe wir uns auf den Rückweg nach Amman machten. Während der Fahrt servierte uns Achmed Sesamplätzchen. Die waren lecker !!! Da nimmt wahrscheinlich sogar Peter zu - und das will was heißen !

In Amman machten wir noch eine Rundfahrt durch ein nobles Wohnviertel. Achmed geriet angesichts der Prachtbauten richtig ins Schwärmen.

Gegen 16:30 h waren wir wieder im Hotel. Die Sonne schien, und so gingen wir in den Swimmingpool. Hui, war das Wasser kalt ! Aber es erfrischte uns nach dem staubigen Tag. Anschließend duschten wir und lasen bzw. schrieben Tagebuch bis zum Abendessen.

Dieses war wieder lecker, auch wenn Beatrice heute Abend nicht so die richtige Lust hatte. Seit heute morgen spinnt ihre Verdauung ein bisschen. Naja, auch nicht so schlimm, dann muss sie sich schon nicht so viele Gedanken um das Hüftgold machen.

Nach ein paar Seiten E-Book fielen die Augen zu.

 

Dienstag, 20.05.2014

 

Beide waren wir heute vor dem eigentlichen Wecktermin wach. War nicht so schlimm, denn so hatten wir genügend Zeit zum Koffer packen und frühstücken.

Als erstes besichtigten wir die Moschee von Abdullah I. Das war zwar nicht das offizielle Programm, aber Achmed hatte uns ausdrücklich dazu geraten. Die Frauen bekamen ein langes schwarzes Kleid an, um den Kleidervorschriften zu genügen. Danach erläuterte Achmed einige Regeln des Islam, zeigte uns die Moschee und gab uns genügend Zeit zum Fotografieren. Ein Programmpunkt, der sich wirklich gelohnt hat !

Danach fuhren wir hoch zur Zitadelle. Der Ausblick auf Amman war einfach toll. Dicht an dicht standen die Häuser der palästinensischen Flüchtlinge (welche nach Achmeds Worten nie mehr nach Palästina zurückkehren werden, da sie zum Teil seit über 60 Jahren dort leben). Auf den anderen Hügeln waren modernere Häuser zu sehen, die mit Kapital aus den Golfstaaten bzw. dem Libanon gebaut wurden. Achmed machte mit uns anschließend einen Rundgang durch die Ruinen aus römischer Zeit. Zwischendrin warteten wieder viele fotogene Motive J.

Wir verließen anschließend Amman und fuhren zum nächsten Highlight nach Madaba.

Dort angekommen, mussten wir abseits der St. Georgskirche parken. Den Weg hoch zur Kirche säumten viele Marktstände, die mehr oder weniger geschmackvolle Waren anboten. Das Besondere an der Kirche ist ein leider nicht mehr vollständig erhaltenes Mosaik, welches eine Karte der Welt zeigte, wie sie damals bekannt war und angeblich 6 Meter lang gewesen sein soll. Aber selbst der verbliebene Rest zeigte noch sehr detailreich den Nahen Osten. Zum Glück hatten wir das Stativ dabei und konnten so schöne Innenaufnahmen machen.

Den nächsten Stopp machten wir bei Nebo's Pearl Mosaikstudio und Handarbeiten. Dort konnten wir zusehen, wie die Mosaike gelegt werden, sei es als Bild, Tischplatte oder Schmuck. Gerade letzterer war ein Traum in Gold, verziert mit Diamanten. Da wollten wir schon gar nicht nach dem Preis fragen. Aber wunderschön war er trotzdem ! Einer der Verkäufer schenkte mir zum Schluss zwei jordanische Wappenaufnäher, da ihm meine Weste mit den Wappen so gut gefiel.

Das Mittagessen nahmen wir im Restaurant Mount Nebo in der Nähe von Madaba ein, welches uns Achmed empfohlen hatte. Für 10 jordanische Dinare konnte man nicht meckern - vor allem der Kuchen am Schluß war lecker.

Von dort aus war es nicht mehr weit bis zum Mount Nebo. Von hier sahen wir erstmalig das Tote Meer. In der Ferne war Jericho mehr zu ahnen als zu sehen. In die Kirche selbst gingen wir nicht, da dort gerade eine andere (wohl sehr christliche) Reisegruppe Lieder sang. Dafür besichtigten wir ausgiebig die Stelle, an der Papst Johannes Paul II. am 20. März 2000 stand.

Und dann ging es die letzten Kilometer runter zum Toten Meer ! Bald erreichten wir unser Hotel für die Nacht und checkten dort ein. Das Hotel Dead Sea Spa ist auch ein Kurhotel, was bevorzugt von Deutschen - und wie wir später anhand der nicht zu überhörenden lauten Redeweise feststellen konnten - von Österreichern gebucht wird.

Wir aber kauften erst einmal einen Hut für Beatrice, damit sie die kommenden Touren in der Sonne gut übersteht. Eigentlich sollte er 15 jordanische Dinare kosten. Peter gab dem Kassierer einen 50 Dinarschein, den er nicht wechseln konnte. Daraufhin zeigte ich ihm einen 10 Dinarschein, da ich angeblich keine anderen Scheine dabei hatte. Diesen akzeptierte er - und so bekamen wir den Hut für 10 Dinar J.

Danach gingen ins Tote Meer zum Baden. Tatsächlich schwammen wir wie Korken auf der Wasseroberfläche und genossen unser Bad fast eine halbe Stunde. Nach dem Abduschen mit Frischwasser sammelten wir für Beatrice' Sandsammlung und trockneten uns noch in der Sonne. Nach dem "richtigen" Duschen mit Duschbad gingen wir in die Strandbar und tranken jeder einen Lemon-Mint-Saft, wobei wir dank der Happy Hour nur einen Drink zahlen mussten.

Das Abendessenbuffet - und hier vor allem das Nachtischbuffet - war oberlecker. Spät wurde es, bis wir in unser Zimmer kamen. Dort sahen wir noch die HEUTE-Show, ehe wir einschliefen.

 

Mittwoch, 21.05.2014

 

Heute hätten wir uns eigentlich Zeit mit dem Aufstehen lassen können, da wir erst um 10 h abfahren wollten. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und so weckte uns der Wecker wie immer um 6:30 h. Wir ließen uns zwar Zeit mit dem Aufstehen und hörten noch WDR 2 (!) per Internetradio, aber dann hieß es doch: Raus aus den Federn !

Als Erstes gingen wir zum Toten Meer runter und schwammen ein paar Runden im Salzwasser. Das Wasser war wie gestern pipiwarm und Brustschwimmen bereitete auch wieder Probleme, da die Beine aus dem Wasser herausstanden. Aber witzig war es doch. Nach Duschen und Packen genossen wir unser Frühstück, um danach gut gesättigt den Besichtigungsmarathon starten zu können.

Als Erstes hielten wir am Mujib Biosphere Reserve an und warfen einen Blick in die Schlucht. Eine Leiter führte in den Fluss hinab und Peter musste natürlich sofort hinabsteigen. Das Wasser war entgegen seinem Aussehen angenehm warm. Aber wir waren ja nicht alleine unterwegs und so musste ich wieder raus und in den Bus einsteigen. Jaja, die Gruppenreisen !

Der nächste Stopp war bei einer Felsformation, die "Lots Frau" genannt wird. Wenn sie das wirklich sein soll, war sie übermannsgroß J. Das Erinnerungsfoto war schwierig, da das Gegenlicht schräg von vorne kam.

Bevor wir das Tote Meer verließen, hatten wir nochmals die Möglichkeit für Fotos. Allerdings konnten wir kein Salz sammeln, da wir von der Straße nicht an das Ufer kamen. Das Salz des Toten Meeres ist laut Achmed auch nicht essbar, da es Pottasche ist.

Anschließend fuhren wir von minus 400 auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel  Hoch und hatten alsbald einen Panoramablick auf die Al Karak-Festung. Dies war die größte Kreuzritter-Festung für 5000 Menschen. Besichtigt haben wir sie allerdings nicht, da wir noch ein volles Programm für heute vor uns hatten. Wir fuhren deshalb weiter. Die Landschaft wurde jetzt immer wüstenähnlicher. Der stetige Wind trieb Sandfahnen durch die Luft und verstärkte den Wüstencharakter noch mehr.

Das Mittagessen nahmen wir im MidWay Castle ein. Hier gab es sehr schöne Souvenirs, die aber ganz schön teuer waren. Der Kaffee nach dem Mittagessen wurde uns von Achmed spendiert. Als es an das Zahlen ging, sollten wir pro Softdrink zwei jordanische Dinare bezahlen. Das sah eine mitreisende Schwäbin nicht ein und ging zum Chef des Restaurants, um ihm klar zu machen, dass wir bislang in anderen Mittagsrestaurants nur einen jordanischen Dinar bezahlt hätten. Daraufhin entschied der Chef, dass wir nur einen jordanischen Dinar pro Getränk zu zahlen haben. So sind halt die Schwaben !

Nach einem weiteren Stück Strecke bogen wir von der Straße nach Akaba ab und erreichten kurz danach das Dana Biosphere Reserve. Hier stiegen wir allerdings nur kurz aus und machten bei starkem Wind ein paar Fotos von der diesigen Landschaft.

Unseren nächsten längeren Stopp machten wir bei der Kreuzritterburg Ash Shubak. Nach einem kurzen Aufstieg vom Busparkplatz erreichten wir die Burg und ließen uns von Achmed in vergangene Zeiten entführen. Damit nicht nur der Geist, sondern auch der Magen sein Recht bekommt, tranken wir danach erst einmal einen Tee mit Pfefferminze.

Auf dem letzten Stück Fahrt zum heutigen Etappenziel Petra erzählte Achmed, wie seine Mutter ihm gegen seinen Willen eine Frau ausgesucht hatte und er dafür seine deutsche Freundin laufen lassen musste. Für uns unvorstellbar, aber hier wohl auch heute noch die Realität.

In Wadi Musa, einem Vorort von Petra, stoppten wir bei der Mosesquelle, wo Moses angeblich mit seinem Stab an den Felsen stieß und Wasser hervorkam. Wäscht man sich in diesem Wasser die Hände, wäscht man sich angeblich von seinen Sünden rein. Achmed meinte dazu nur, dass sich manche Menschen dann tagelang in das Wasser legen müssten J. Bei uns reichte aber das Händewaschen !

Das Hotel Petra Palace erreichten wir gegen 18 h. Das Einchecken war problemlos. Unser Zimmer erwies sich als groß und geräumig, hatte seine besten Tage aber schon hinter sich.

Nach dem Duschen gingen wir essen. Nichts Besonderes, aber geschmeckt hatte es.

Als wir gegen 22 h wieder ins Zimmer kamen, wurden wir von arabischer Live-Discomusik empfangen, die draußen vor dem Hotelgelände lief. Ab und zu schoss auch jemand sein Gewehr mehrfach ab - zumindest klang es so. Gegen 23:30 h hörte die Musik auf. Mal sehen, wie die Nacht wird !

 

Donnerstag, 22.05.2014

 

Die Nacht blieb ruhig, sodass wir bis zum "üblichen" Aufstehtermin um 6:30 h schlafen konnten. Das Frühstück war ok und so konnten wir um 8 h unsere Tour durch die Gräberanlage starten. Achmed gab auf unsere Klagen zum gestrigen Lärm an, dass es sich um eine Hochzeit gehandelt hatte. Dort wird traditionell laut gefeiert und mit allen verfügbaren Waffen geschossen. Ach ja, Männer und Frauen feiern die Hochzeit getrennt. Sitten, die wir uns so gar nicht vorstellen können: Die Ehefrau wird durch die Familie  ausgesucht und kennt den künftigen Mann nicht (dieser darf wenigstens einen "Wunschzettel" zu Aussehen u.ä. schreiben), die Feier findet bis auf das Ja-Wort getrennt statt - tolle Vorstellung L.

Im Gegensatz zu gestern war der Himmel heute strahlend blau, was uns eine reiche Fotobeute versprach. Achmed kaufte die Eintrittskarten à 50 jordanische Dinar (im Reisepreis enthalten) und wir marschierten los. Zuerst ging es einen staubigen Weg entlang, wo die ersten Grabhäuser zu sehen waren. Wir stoppten überall und konnten Fotos machen, während Achmed erklärte. Nach fast einem Kilometer ging es in die eigentliche Schlucht. Die Wände standen nur noch etwa 5 Meter auseinander. Auch hier waren wieder Gräber und alte Reliefs zu sehen. Beim Fotografieren mussten wir auf die Pferdekutschen aufpassen, die mit lautem Getöse durch die Schlucht rasten. Zum Glück war der Boden großteils betoniert, sodass wenigstens kein Staub aufgewirbelt wurde. Absolutes Highlight der Schlucht waren aber nicht die Gräber oder sonstiger "alter Kram", sondern eine kleine Katze, die auf einem Felsen saß und ihre Mutter rief.

Und dann öffnete sich die Schlucht und das berühmte Schatzhaus stand vor uns. Klick, klick, klick klang es von überall her - und wir taten es den anderen gleich. Genügend Zeit hatten wir und Motive gab es genug: Kamele, Wüstenpolizei, Esel, Schatzhaus, Beatrice und Peter.

Wir gingen dann weiter, denn das Schatzhaus war erst der Anfang von vielen weiteren Gräbern, Theatern und Tempeln. Diese jetzt alle aufzuzählen würde den Rahmen des Tagebuches sprengen. Deshalb sei nur soviel verraten, dass wir sehr beeindruckt waren von den Bauten. Aber auch der in allen Farben schimmernde Sandstein war einfach die Schau. Wir haben ja in Amerika schon den Antelope-Canyon besichtigt und uns über die Farben gefreut, aber das hier schlug alles, was wir bisher gesehen hatten. Damit wir nicht verdursteten, rasteten wir des Öfteren und stärkten uns bei Tee bzw. Zitronensaft mit Minze, wobei wir uns am bunten Sandstein und den Gräbern auch in den Pausen nicht satt sehen konnten. Die Beduinen, die uns bedienten, erinnerten uns an Johnny Depp aus "Fluch der Karibik", da sie ähnlich gekleidet und vor allem alle einen markanten Kajalstift um die Augen trugen. Oder, wie eine Mitreisende bemerkte, waren es ganz fesche Burschen.

Mittagessen gab es in Form einer Lunchbox. Diese war jedoch nichts Berühmtes ! Trockene Brötchen, Schmelzkäse, Kekse, eine Tomate, eine Gurke, eine Banane und ein Joghurt.  Dazu gab es einen Softdrink nach Wahl.

Nachdem wir das überstanden hatten, verließen wir den üblichen Touristenpfad und besahen uns die Gräber von oben. Am Ende dieses "Bergweges" kamen wir zu einem alten Beduinen namens Mofleh, der uns sehr leckeren Tee machte und aus seinem Leben erzählte. So war er schon in Deutschland und der Schweiz tätig gewesen, lebt aber jetzt in einem Sandstein-Grab, welches er sich als Wohnung hergerichtet hatte. Er ist in einem chinesischen Reiseführer sogar mit Bild verewigt. War echt interessant - und fotogen !

Danach trennten wir uns von der Gruppe, da wir die 800 Stufen zum Kloster aufsteigen wollten. Wie man in den Reiseführern auf 800 Stufen kommt, wissen wir nicht, da viele Stufen nicht mehr vorhanden waren bzw. mehr schlecht als recht gebaut waren. Nach der bisherigen heutigen Tour kostete uns der Weg bergauf ganz schön Kraft - vor allem, da die Sonne vom Himmel brannte und Schatten kaum vorhanden war.

Oben angekommen, erwartete uns eine ähnliche Fassade wie beim berühmten Schatzhaus. Drinnen sangen einige Esoterikfreaks und waren dabei der Welt entrückt. Es klang ja ganz gut, aber in der Sonne stehen und zuhören wollten wir denn auch nicht. So stiegen wir noch zum angeblich besten Aussichtspunkt der Welt auf. Das hätten wir uns aber sparen können, denn wir sahen nur Bergspitzen, aber keinen spektakulären Blick z. B. auf eine Grabanlage.

Langsam stiegen wir mit leicht wackeligen Beinen wieder ab und erreichten unseren Startpunkt nach fast zwei Stunden. Von da gingen wir nochmals eine gute Stunde bis ins Hotel. Kurz vor Erreichen des Hotels kauften wir uns jeder eine Cola, die geradezu in uns verdampfte. Fertig wie zwei Schnitzel duschten wir und legten bis zum Abendessen die Beine hoch.

Nach einem schnellen Abendessen gingen wir wieder los zum berühmten Schatzhaus, da wir die dort angebotene Licht- und Tonschau gebucht hatten. Unterwegs kamen wir mit einem Chinesen aus Shanghai ins Gespräch. Das verkürzte gefühlt den Weg und ließ uns unsere wunden Füße vergessen. Beim Schatzhaus angekommen, waren wir mit bei den ersten Besuchern und konnten so direkt ganz vorne unser Stativ aufbauen. Der Platz vor dem Schatzhaus war mit durch Kerzen beleuchteten Papiertüten erhellt und sah sehr romantisch aus. Wir bekamen Tee und dann begann das Programm. Zuerst spielte ein Beduine auf einer Rabarba (eine Art Geige). Anschließend blies ein anderer ein Stück auf einer Flöte. Danach erzählte ein Beduine noch ein bisschen und die Veranstaltung war nach etwa 40 Minuten vorbei. Leider wurde das Schatzhaus selbst nicht angeleuchtet. Erst am Schluss der Veranstaltung wurden alle mit einem Fotoapparat ausgestatteten Besucher gebeten, auf drei zu blitzen. So war wenigstens ein Hauch von Illumination gegeben. Wir gingen dann mit total runden Füßen zurück ins Hotel und waren heilfroh, als wir es erreicht hatten. Die Hochzeit von gestern Abend wird anscheinend heute fortgesetzt, denn wieder wurde geschossen und laute arabische Musik gespielt. Mal sehen, wann heute das Spektakel zu Ende ist. Nicht, dass es uns in unserem Zustand stört - dafür sind wir viel zu groggy - , aber es ist halt doch ein Gedudel, was in unseren Ohren nicht immer sehr angenehm klingt.

 

Freitag, 23.05.2014

 

Da heute ein volles Programm auf uns wartete, ging der Wecker bereits um 5:30 h (ja, in Deutschland ist es jetzt 4:30 h ! Und das machen wir freiwillig - obwohl wir im Urlaub sind. Kein weiterer Kommentar). Wir waren noch überhaupt nicht ausgeschlafen, was nicht nur an der lauten Musik bis weit nach Mitternacht lag (s.o.), sondern auch die Folge unseres gestrigen Wandertages war. Gepackt und gefrühstückt hatten wir schnell und konnten deshalb pünktlich um 7 h losfahren.

Unser erstes Ziel war Little Petra. Wir waren dank der frühen Morgenstunde die ersten Touristen und konnten ungestört alles besichtigen. In einer Höhle waren sogar noch Decken- und Wandmalereien erkennbar. Der kleine Spaziergang hat uns gefallen, auch wenn die Höhlen lange nicht das Niveau von Petra erreichten. Aber wir waren alleine und die Situation war dadurch einzigartig.

Während der Weiterfahrt und nur unterbrochen durch Stopps an Panorama-Aussichtspunkten erzählte Achmed über die sehr gute finanzielle Situation der Beduinen, die in Petra als Esels- und Kamelführer arbeiten. So kauft z.B. ein Eselsbesitzer das Tier für 350 jordanische Dinar und erwirtschaftet damit während der neunmonatigen Saison pro Tag etwa 200 jordanische Dinar. Der Durchschnittslohn eines Bauarbeiters beträgt dagegen etwa 350 jordanische Dinar im Monat. Hat dieser Eselsbesitzer gar noch Kinder, schickt er diese während der neunmonatigen Saison nicht zur Schule, sondern lässt sie Ansichtskarten o.ä. verkaufen. Pro Tag bringt somit ein Kind im Schnitt 100 jordanische Dinar nach Hause. Bei Restaurantbesitzern sieht es ähnlich gut aus. Durch den Verkauf der Lunchpakete haben sie am Tag in der Saison mindestens 2000 jordanische Dinar eingenommen. Selbst wenn die Kosten abgezogen werden, verdienen sie immer noch deutlich mehr als z.B. ein Architekt. Und zusätzlich haben sie während der dreimonatigen Auszeit genügend Zeit, Urlaub zu machen bzw. ein Haus zu bauen.

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Rezept für Zitrone-Minze-Cocktail (für zwei Personen)

2 Zitronen ohne Schale

ca. 3 Eßlöffel gehackte frische Pfefferminze

Zucker nach Geschmack

400 ml Wasser

Die Zutaten im Mixer oder besser im Pürierer vermengen und servieren.

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Als wir das Wadi Rum Visitorcenter erreichten, kaufte Achmed die Eintrittskarten. Danach fuhren wir mit dem Bus noch bis zu der Stelle, wo die Jeeps abfahren. Es waren Pick-Up's und wir saßen auf der Ladefläche auf bequemen Polstern. Den ersten Halt machten wir bei der Quelle von Lawrence. Das Wasser war wegen der Umgebungstemperatur sehr warm. Ansonsten gab es nichts zu sehen. Den nächsten Stopp legten wir an einer Sanddüne ein. Der rote Sand war richtig heiß, sodass wir mit unseren Trekking-Sandalen nur ein paar Meter hochklettern konnten. Der Ausblick aber war phantastisch !

Nach einer weiteren Fahrstrecke vorbei an verschiedenfarbigen Felsformationen erreichten wir eine Felsspalte, in der sich eine Quelle verbarg. Ein Stück weit konnten wir hineinlaufen. Wieder draußen, gab es Tee in einem Beduinenzelt. Gleichzeitig wurden uns diverse Düfte, Weihrauch und Salben vorgeführt. War interessant, aber für uns war nichts dabei. Wir tranken deshalb leer und fuhren weiter zu einer natürlichen Felsbrücke. Zuerst mussten wir auf den Felsen hochklettern. Dann aber wurden wir mit einem tollen Ausblick belohnt. Auch das obligatorische Brückenfoto durfte nicht fehlen. Wieder unten, fuhren wir zum Ausgangspunkt zurück. Diese Jeeptour war wirklich schön und hatte uns allen viel Spaß gemacht. Der Bus brachte uns zum Restaurant im Wadi Rum Visitorcenter, wo wir unser Mittagessen einnahmen. Es war nicht schlecht, aber auch nichts besonderes.

Auf der Weiterfahrt nach Aqaba legten wir noch einen Stopp an der Bahnstation von Wadi Rum ein, wo ein Nachbau eines alten türkischen Militärzuges aus der Zeit von Lawrence von Arabien stand. Es fehlten nur die Maschinengewehre, aber sonst war alles vorhanden.

Aqaba erreichten wir gegen 15:30 h. Wir checkten im Captains-Hotel ein, bezogen unser Zimmer und machten einen Stadtrundgang durch Aqaba. Von den alten Gebäuden steht nichts mehr. Vielmehr ist es jetzt eine geschäftige Hafenstadt (Aqaba ist Sonderwirtschaftszone in Jordanien), die zum Baden nur einen schmalen Strandstreifen hat. Die Frauen dort am Strand sind vollständig verhüllt, was auch von Europäerinnen erwartet wird. Wir hielten bei unserem Rundgang an mehreren Läden an und hatten besonders in einem Gewürzladen viel Spaß, da der Inhaber mit Beatrice einen kleinen Vorführ-Joker machte. Dort erstanden wir auch gesalzenen Sesam, der bestimmt gut zu Salat passt. Wir beendeten die Tour in einem kleinen Café und Beatrice und ich tranken jeder zwei Lemon-Minz-Säfte. Damit hatten wir bis auf einen jordanischen Dinar all unser jordanisches Geld ausgegeben !

Achmed brachte uns noch ins Hotel, wo wir uns von ihm verabschiedeten. Schade, denn es hatte uns viel Spaß mit ihm gemacht. Wir gaben ihm deshalb auch gerne Trinkgeld und rundeten die Summe auf 50 jordanische Dinar auf.

Nach dem Duschen ruhten wir uns noch ein bisschen aus und gingen anschließend ins hoteleigene Restaurant. Das Essen schmeckte und es gab sogar alkoholfreies Bier dazu. War zwar malzig-süßlich, aber mal was anderes als die übliche Cola oder das Bitter Lemon.

Da wir noch leicht groggy von gestern waren, gingen wir in unser Zimmer und ab in die Heia.

 

Samstag, 24.05.2014

 

Um 9:30 h sollten wir abgeholt werden, weshalb wir den Wecker auf 7 h stellten. Keine Sekunde früher wachten wir auf. Anscheinend steckten uns die vergangenen Nächte noch in den Knochen.

Nach dem Packen frühstückten wir. Mit uns waren viele Araber beim Frühstück. Sehr fremdartig waren für uns die voll verschleierten Frauen, die nur mit Schwierigkeiten essen konnten.

Nach dem Frühstück zog Peter nochmals los und machte ein paar Fotos. Es musste schnell gehen, denn der Bus war pünktlich. Wir fuhren dann zur jordanisch-israelischen Grenze. Die Ausreise war problemlos, aber die Einreise nach Israel erinnerte stark an die früheren DDR-Grenzbeamten. Einer Mitreisenden wurde der Koffer komplett durchwühlt, ihr Mann musste sich oben herum ausziehen, da ihm nicht geglaubt wurde, dass er einen Herzschrittmacher hat, bei Peter musste der Koffer halb ausgeräumt werden und immer wieder durch den Scanner, ohne aber dass die jungen Beamtinnen sagen konnten, was sie am Gepäck stört. Irgendwann war auch diese Prozedur überstanden und wir konnten in den wartenden Bus einsteigen. Dort erwarteten uns schon Miriam und unser Fahrer von vor einer Woche. Miriam erzählte mir zum Thema Schikane durch Zollbeamte, dass ihr die Schokolade, die ich für sie bei der Ausreise aus Israel gekauft hatte, abgenommen worden war. Begründung nach ihren Worten: keine !

Wir fuhren dann direkt hinter der Grenze an einer israelischen Patriot-Stellung vorbei Richtung Be'er Sheba. Unterwegs bogen wir ab, um den Timna-Park anzusehen. Dieser wird auch "Das Kupferkönigreich" genannt, da in vergangenen Zeiten dort Kupfer gewonnen wurde. Als Erstes steuerten wir die Felsformation "The Mushroom" an. Ein Fels sah aus wie ein Pilz - und das war es. Naja, es konnte nur besser werden. Den nächsten Stopp machten wir bei den Salomonsäulen und dem Hathor-Tempel. Wir hatten eine halbe Stunde Zeit, diese Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Leider gab uns Miriam keinen Hinweis, was wir wo finden. So marschierten wir einfach mal los. Die Salomonsäulen sind normale Felsen; keine Inschrift o.ä. machte sie irgendwie interessant. Auf unserem weiteren Weg sahen wir eine ägyptische Inschrift am Felsen, da die Ägypter zu Pharaos Zeiten hier Kupfer abgebaut hatten. Die Inschrift war nur schwer zu erkennen, aber dank der vorhandenen Hinweise sahen wir sie. Die Reste des Hathor-Tempels waren nicht mehr als die Grundmauern. Ok, auch das war ganz nett.

Nach einer kurzen Fahrt kamen wir an die Timna-Oase, wo ein kleiner See angelegt worden war. Sah alles sehr hübsch aus. Hier konnten wir in kleine Plastikflaschen vier verschiedenfarbige Sände abfüllen. Eigentlich war es gedacht, dass man sich bunte Fläschchen zusammenstellt. Wir aber füllten vier Flaschen mit jeweils einer Farbe ab. Verschlossen wurden die Flaschen mit Lehm, der dafür bereit stand. Miriam besorgte genügend Plastikfläschchen, sodass jeder genügend Material zum Befüllen hatte.

Wir verließen den Timna-Park und fuhren durch die Negev-Wüste weiter Richtung Be'er Sheba. In Yotvata machten wir einen halbstündigen Stopp, damit jeder essen konnte. Immerhin war es Mittagszeit und wir waren hungrig. Wir aßen einen Snack bestehend aus einem Baguette mit Thunfisch bzw. Mozzarella und Cola. Danach gönnten wir uns noch ein leckeres Eis.

Auf der weiteren Fahrt durch die Negev-Wüste sahen wir mehr Steine als Sand. Die Landschaft sah manchmal wie eine Mondlandschaft aus und war manchmal so zerfurcht wie der Grand Canyon.

Den nächsten Stopp machten wir beim Krater Mizpe Ramon. Zuerst hielten wir unten im Krater am Straßenrand (statt ein Stückchen weiter an einem Parkplatz, wo ein Flüsschen vorbeifließt), danach oben am Kraterrand. Der Ausblick war beeindruckend, da der Krater riesengroß ist. Immerhin ist er der größte Erosionskrater der Welt und nicht durch vulkanische Aktivität oder einen Meteoriteneinschlag hervorgegangen.

Nach einer kurzen Fahrt hielten wir in Avdat an einer Tankstelle, da wir sonst zu früh in Be'er Sheba angekommen wären und es damit zu früh zum Einchecken gewesen wäre. Peter hatte keine Lust, einfach herum zu sitzen und schlenderte über das Tankstellengelände. Dabei entdeckte er eine Ruine oberhalb der Tankstelle. Auf meine Frage an Miriam, warum wir nicht diese Ruine besichtigen, sondern an der Tankstelle Kaffee trinken, meinte sie, dass die Kaffeekette in Israel berühmt ist und die Ruine Eintritt kostet, welcher nicht in unserer Reise enthalten ist. Daraufhin bekam sie nicht nur von mir zur Antwort, dass die paar Schekel ja wohl egal wären und wir lieber diesen zusätzlichen Eintritt bezahlt hätten als an einer Tankstelle Kaffee zu trinken.

Unser nächster Stopp war in der Nähe des Kibbuz Sde Boker in En Avedat beim Grab von Ben Gurion. Das Grab selbst ist unspektakulär, aber wir hatten von dort oben schöne Aussichten in das Zin-Tal. Auch sahen wir vier Steinböcke, die sich aber leider von uns entfernten. Der unangefochtene Star des kleinen Spaziergangs war aber eine große Eidechse, die wir lange fotografieren konnten.

Jetzt war es spät genug und wir fuhren bis Be'er Sheba durch. Zweimal stoppten wir noch, um Kamele zu fotografieren.

Das Hotel Leonardo erreichten wir gegen halb 6 h und wollten nach dem Willkommensdrink möglichst schnell unser Zimmer beziehen. Wir stiegen also in den nächsten Aufzug und drückten die "7", um in unser Zimmer im 7. Stock zu gelangen. Der Fahrstuhl fuhr hoch in den 11. Stock ! Ok, wir drückten wieder die "7" - und der Fahrstuhl fuhr ein Stockwerk tiefer in den 10. Stock. Wir drückten (schon etwas ratlos) wieder die "7" - und der Fahrstuhl fuhr ein Stockwerk tiefer in den 9. Stock. Da fiel uns ein, dass es in Israel sogenannte Schabat-Aufzüge gibt, die immer nur ein Stockwerk weit fahren. Naja, irgendwann waren wir im 7. Stock und konnten unser Zimmer beziehen.

Da heute Schabat ist, gibt es Abendessen für uns erst ab 20:30 h, da davor eine jüdische Gesellschaft eine Bar Mitzwa feierte. Wir nutzten die Zeit, um Tagebuch zu schreiben. Als wir um 20:30 h vor dem Restaurant standen, feierten die strenggläubigen Juden immer noch die Bar Mitzwa. Es dauerte deshalb bis fast um 20:45 h, bis wir an die Tische kamen. Das Essen war lecker, aber da Schabat ist, gab es für uns nur Wasser zum Abendessen L.

Nach dem Essen verzogen wir uns in die Heia.

 

Sonntag, 25.05.2014

 

Um 6:30 h ging der Wecker, da um 8 h Busabfahrt sein sollte. Wieder war der übliche Ablauf "Packen" und "Frühstücken" angesagt. Anschließend füllten wir unsere Geldbestände am Automaten auf und ab ging die Fahrt. Be'er Sheva ist fast so groß wie Bonn und heute ist für die Israelis der erste Arbeitstag der Woche. Demzufolge waren die Straßen voller Autos. Wir fuhren zunächst auf einer Autobahn Richtung Jerusalem. Die Landschaft verlor sehr schnell ihren wüstenartigen Charakter und immer mehr fruchtbare Felder säumten unseren Weg.

Ohne besondere Zwischenfälle oder touristische Highlights erreichten wir Jerusalem.

Zunächst fuhren wir an der Universität vorbei auf den Berg Skopjes. Von dort war es nicht mehr weit bis zum Ölberg. Wir stiegen aus und genossen erst einmal den Blick über die Altstadt. Als nächstes besuchten wir die Dominus-flevit-Kirche, benannt nach der biblischen Geschichte, wonach Jesus weinte, da er die Zerstörung Jerusalems vorhersah. Die Besonderheit dieser Kirche ist, dass der Altar Richtung Westen (und damit zur Altstadt) ausgerichtet ist und ein offenes Glasfenster hat. So war es natürlich klar, dass alle Fotografen bei ihren Fotos die goldene Kuppel des Felsendomes in den Glasrahmen der Kirche einbetteten.

Anschließend gingen wir zum Garten Gethsemane. Ein hübscher kleiner Garten erwartete uns. Leider war die Kirche wegen des morgen geplanten Papstbesuches geschlossen. So konnten wir sie nur von außen besichtigen.

Wir bestiegen unseren Bus, der hier unten auf uns wartete und fuhren in die Altstadt. Unsere Tour durch die Altstadt begannen wir am Löwentor. Leider waren wir nicht alleine, sondern in der Gruppe unterwegs und so konnten wir die Bethesda-Kirche, wo der Geburtsort der Heiligen Maria sein soll, nicht besichtigen, da sie nicht auf dem Plan der Reisegruppe stand. Hier beginnt auch die Via Dolorosa, wo wir an jeder Station des Leidensweges von Jesus kurz anhielten. Meist waren an diesen Stationen Kirchen oder Kapellen zu besichtigen. Allerdings waren einige Kirchen wegen des morgigen Papstbesuches geschlossen bzw. durch betende Pilgergruppen belegt (P.S.: Während ich diesen Text schreibe (18:30 h), sind draußen ständig Sirenen von Polizeiautos zu hören. Die Stadt befindet sich in einem Ausnahmezustand, da laut Zeitung 8000 Polizisten für die Sicherheit des Papstes sorgen sollen. Überall wehen Vatikanflaggen neben den israelischen Flaggen.)

Die Via Dolorosa zieht sich durch das arabische Marktviertel. Demzufolge war der Weg eng und von Ständen mit allerlei Waren gesäumt. Da die Grabeskirche auch geschlossen war, gingen wir in einem kleinen arabischen Restaurant essen. Das war aber nichts ! Die Fleischspieße waren gut, aber die Pommes matschig und kalt. Als ich mich beschwerte, entschuldigte sich zwar der Wirt, aber das war es auch schon. Auch verrechnete er sich beim Kassieren zu seinen Gunsten um 20 Schekel. Leider kam er da an den Falschen, denn ich hatte davor schon im Kopf die Summe errechnet und kürzte die korrekte Summe unter seinem Protest zusätzlich um 10 Schekel für die matschigen Pommes. Ich glaube, er war ganz schön sauer, aber das war mir egal. Auch bei den anderen Gästen der Reisegruppe gab es Schwierigkeiten. Und was machte unsere Reiseleiterin Miriam ? Sie ging schon mal nach draußen und wollte bereits loslaufen, obwohl noch nicht alle mit dem Zahlen fertig waren. Tolle Reiseleiterin !

Das arabische Viertel hörte urplötzlich auf und der Cardo, das jüdische Viertel, begann. Der Weg war breiter und sauberer und die Geschäfte europäischer bestückt - es war, als wären wir in einer anderen Welt gelandet.

Auf unserem weiteren Weg warfen wir einen Blick in die Hurva-Synagoge. Hinein gingen wir nicht, da viele jüdische Männer dort beteten.

Über das Zion-Tor verließen wir die Altstadt und gingen weiter über den Zionberg zur Kirche Dormitio Sanctae Mariä. Eine sehr hübsche Kirche empfing uns. Insbesondere die Krypta war sehr stimmungsvoll. Auch ein von Köln gestifteter Seitenaltar war sehr schön.

Danach besichtigten wir Davids Grab im Coenaculum. Hier meinte zwar eine Mitreisende zunächst, dass dies eine Toilette sein müsse, da Hinweisschilder für Männer und Frauen den Weg wiesen. Aber es stellte sich heraus, dass Männer und Frauen das Grab getrennt besichtigen müssen. Im Männer-Teil beteten viele Juden, so dass wir dort nicht stören wollten.

Als wir wieder draußen waren, hörten wir viele Schüsse vom Ölberg. Später erfuhren wir, dass dies der Willkommenssalut der Palästinenser der Westbank für den Papst war, der außerplanmäßig dort einen Stopp eingelegt hatte. Wir sahen von Weitem die 8 Meter hohe Mauer, die Israel um die Westbank gezogen hat. Morgen werden wir sie von nahem erleben, wenn wir nach Bethlehem fahren.

Da die Absperrungen wegen des Papstbesuches immer größer wurden, brachen wir für heute unsere Besichtigung ab und fuhren an der Knesset vorbei zu unserem Hotel Prima Park. Dort bezogen wir unser Zimmer und machten uns anschließend auf den Weg zum Pool. Das Hotel selbst hat keinen Pool, weshalb wir etwa 10 Minuten zum Universitätsgelände gehen mussten. Gefunden haben wir das Schwimmbad schnell. Es war aber ein richtiges Hallenbad mit eingeteilten Schwimmbahnen und hatte keinen Relax- oder gar netten Außenbereich. Wir schwammen deshalb schnell ein paar Bahnen und gingen zurück ins Hotel. Auch hier gab es keinen Außenbereich, um einen Drink in der Sonne zu nehmen, weshalb wir im Zimmer einen Kaffee aufbrühten.

Das Abendessen hatte eine Überraschung für uns parat: Wassermelonensalat mit Pfefferminze. Lecker ! Ansonsten waren eine schöne Abwechslung vom täglichen Huhn- und Fischeinerlei die Lammbouletten, flach geformt. Das Essen zog sich etwas in die Länge, da wir zu sechst noch schnell die Welt retteten. Zumindest hatten wir genügend Vorschläge, was wir sechs Personen besser als die Politiker machen würden.

Beatrice und ich schauten uns dann in der ARD-Mediathek den Tatort vom letzten Wochenende an. Danach wurde es Zeit für die Heia.

 

Montag, 26.05.2014

 

Um 6:30 h hieß es trotz des gestrigen langen Abends aufstehen. Das Frühstück verlief heute etwas chaotisch, da viele Reisegruppen gleichzeitig zum Frühstück kamen und das Buffet im Raum verteilt war. Aber auch das klappte am Ende und gut gesättigt fuhren wir zu unserem ersten Besichtigungspunkt los. Im Ein Kerem-Krankenhaus sind in der dortigen Synagoge 12 Fenster von Marc Chagall gestaltet worden. Damit wollte er die 12 Stämme Israels verewigen. Die Fenster waren - wie auch schon die anderen Fenster von ihm (z.B. in Mainz) - eine sehr farbenfrohe Angelegenheit. Mindestens eines war jedoch durch einen Anschlag zerstört, aber in seinem Sinne wieder gestaltet worden. Obwohl Fotografierverbot war, klickten doch die Auslöser - meiner inklusive J.

Danach fuhren wir in die palästinensischen Gebiete nach Bethlehem. Das Erste, was wir sahen, war die 8 Meter hohe Mauer. Grau und hässlich ließ sie uns sehr schnell verstehen, wie pervers die Trennung eines Landes sein kann. Aber für unsere Reiseführerin war die Mauer in Ordnung - und außerdem: Sobald Frieden ist, kann die Mauer doch sofort in Einzelteilen demontiert werden. Auf den Siedlungsbau der Israelis angesprochen, verteidigte sie diesen ebenso, denn das Westjordanland ist durch Israel im 6-Tage-Krieg erobert worden. Dass die UNO diese Eroberung nicht anerkennt, ist ihr egal. Wahrscheinlich muss man so denken, wenn man als strammer Israeli in Israel lebt.

Zuerst besuchten wir in Palästina einen Shop mit Olivenholzschnitzereien und sonstigen Andenken. Uns sagte aber nichts zu, weshalb wir nach draußen gingen und fotografierten, solange der Rest der Reisegruppe noch einkaufte.

Weiter ging es zur Geburtskirche. Dort herrschte ein großer Andrang. Zunächst gingen wir durch eine niedrige Tür in den Innenraum der griechisch-orthodoxen Kirche. Dort machte ich einige Fotos, was mit dem Stativ kein Problem war. Danach buchten wir einen Spezialführer, der uns für 5 pro Person an allen Schlangen von Besuchswilligen des Geburtsplatzes Jesu vorbeibrachte. Dies sparte uns etwa 2 Stunden Anstehen. Dort unten war es eng, warm und stickig. Wir wurden mehr durchgeschoben als dass wir andächtig hätten verweilen können. Überhaupt kommt bei dem ganzen Trubel keine besinnliche Stimmung auf. Bald waren wir wieder oben und gingen in den katholischen Teil der Geburtskirche. Hier war es bedeutend ruhiger - kein Wunder, die Geburtsstätte Jesu ist ja auch nebenan bei den Griechisch-Orthodoxen. Und wie ich so fotografiere, sehe ich, dass am Altar eine kleine Eucharistie gefeiert wird. Und so geschah es, dass ich das Fotografieren abbrach und zum ersten Mal so etwas wie Besinnung in einer Kirche hier im heiligen Land empfand. Die Eucharistie-Ausgabe war ein wundervolles Erlebnis und machte für mich den Besuch der Geburtskirche doppelt wertvoll.

Danach fuhren wir weiter zum Hirtenfeld. Der Geschichte nach war dies der Platz, an dem die Hirten lagerten, als Jesus geboren wurde. Wir machten einen kleinen Spaziergang über das Gelände und freuten uns über die vielen hübschen Fotomotive. Besonders beeindruckend war ein weiß gedeckter Altar mit goldfarbigen Schalen vor der kleinen Hirtenkirche.

In Sichtweite des Grenzzaunes fuhren wir wieder nach Israel zurück und erreichten bald das griechisch-orthodoxe Elias-Kloster, wo wir Mittagessen vom Buffet nehmen konnten. Im Gegensatz zu gestern ein Hochgenuss ! Das Kloster allerdings war geschlossen, sodass wir die anschließende Fotosession auf die Außenbereiche beschränkten.

Weiter ging es zum Mount Herzl Park, wo wir die Gräber von Theodor Herzl und Menachem Begin besuchten. Anschließend ging es weiter zur Holocaust-Gedenkstätte Yad VaShem. Dort hatten wir zunächst 1,5 Stunden Zeit, uns die Ausstellung anzusehen. Beklemmend und immer wieder beschämend, was den Juden damals angetan wurde. Anschließend gingen wir in den Raum der ewigen Flamme, wo die Namen der Konzentrationslager auf dem Boden eingraviert sind. Der Kranz, den Papst Franziskus heute morgen dort hingelegt hatte, lag noch da und leuchtete in Gelb-Weiß. Danach besuchten wir das Mahnmal für die Kinder. Ein stockdunkler Raum, nur durch ein paar Kerzen erleuchtet, deren Licht sich in vielen Glas- und Spiegelscheiben brach, umfing uns. Dazu hörten wir aus einem Lautsprecher die Namen der im Holocaust umgekommenen Kinder, ihr Alter sowie das Land, wo sie gestorben sind.

Bedrückt verließen wir den Ort der Mahnung und fuhren ins Hotel.

Nach dem Abendessen trennten wir uns von der Reisegruppe, die heute Abend eine (kostenpflichtige) Stadtrundfahrt unter dem Motto "Jerusalem by Night" macht und erkundeten Jerusalem alleine.

Wir fuhren mit dem Light Rail (=Straßenbahn) ab dem Hotel bis zur Altstadt. Das Ticket à 6,90 Schekel mussten wir vor Fahrtantritt am Automaten lösen (ganz easy) und dann in der Bahn entwerten (auch ganz easy). Keine Minute später wurden wir kontrolliert (das ist hier ganz normal, weshalb jeder sein Ticket brav abstempelt).

In der Altstadt angekommen, orientierten wir uns an unserem Stadtplan (easy) und gingen Richtung Klagemauer (huh, spannend). Die Läden hatten fast alle zu und so kamen wir gut voran. Und dann standen wir vor - dem Felsendom ! Zutritt verboten usw. Peter bettelte dann bei einem Polizisten um ein Foto. Dieser ließ sich erweichen und ich durfte bis knapp hinter das Eingangstor. Beatrice musste sich hinter mir halten. Und ich konnte eine super Nachtaufnahme des Felsendomes machen !

Danach fotografierten wir an der Klagemauer ein paar stimmungsvolle Nachtbilder und wandten uns dann quer durch die spärlich beleuchtete Altstadt zur Zitadelle. Auch hier waren wir dank des Stativs erfolgreich. Anschließend gingen wir durch die mittlerweile ganz schön dunkle Altstadt zurück zur Straßenbahn, äh dem Light Rail. Während der Fahrt konnten wir erleben, wie die Kontrolleure mit Schwarzfahrern umgehen - und das direkt vor uns. Zuerst wurde es laut, dann standen drei Kontrolleure da und dann zogen sie mit den Bürschchen ab. Ruck-Zuck, keine lange Diskussion.

Im Hotel war noch Duschen angesagt und dann fielen wir müde ins Bett.

 

Dienstag, 27.05.2014

 

Heute mussten wir bereits um 6 h aufstehen, da es um 7:30 h losgehen sollte. Egal, für einen interessanten Tag machen wir ja fast alles.

Der Grund für das frühe Aufstehen und das erste Ziel des Tages war der Tempelberg. Als wir ankamen, stand schon eine lange Schlange am Eingang an. Durch die Sicherheitschecks ging es nur langsam vorwärts, aber nach 1,5 Stunden (!) waren wir durch das Gate durch. Doch - oh Sch..... - ein Teil der Reisegruppe war durch ein Versehen oder in Unkenntnis der englischen Sprache nach dem Gate durch eine Seitentür wieder aus dem gesicherten Gelände raus gegangen. Der Wachsoldat wollte sie trotz Intervention der Reiseleiterin nicht wieder reinlassen. So mussten sie nochmals die Prozedur über sich ergehen lassen. Aber dieses Mal ging es schneller, da sie an allen Wartenden vorbei geschleust wurden. Dann konnte endlich die Besichtigung starten ! Leider durften wir die Moscheen nur von außen besichtigen, da der Zutritt in die Moscheen für Nicht-Moslems gesperrt war. Aber auch von außen beeindruckte uns die Al Aksa Moschee und der Felsendom. Immer wieder waren Sprechchöre von Frauen zu hören, die die ganze Zeit "Allah hu akbar" schrien. Warum sie das taten, erschloss sich uns nicht.

Auch das sog. Goldene Tor fanden wir, wobei man wissen muss, das es kein Tor im eigentlichen Sinne ist, da der Durchgang zugemauert ist. Erst beim jüngsten Gericht öffnet es sich.

Danach gingen wir zur Klagemauer und konnten dort nach Herzenslust fotografieren, allerdings nach Männlein und Weiblein getrennt. Es war schon interessant, den wippenden und lesenden orthodoxen Juden zuzusehen. Als Peter zum vereinbarten Treffpunkt der Gruppe zurückkam, war Beatrice nicht da. Ich fragte alle Mitreisenden, ob sie wüssten, wo mein Mädel ist. Aber keiner konnte mir etwas sagen und so suchte ich sie im Gewimmel. Ich sah das arme Bealein schon heulend ohne Ausweis, Geld und Handy irgendwo sitzen, als eine Mitreisende mich rief. Beatrice stand bei der Gruppe und verstand die ganze Aufregung nicht, da sie sich bei der Reiseleiterin auf die Toilette abgemeldet hatte. Das wusste diese aber nicht mehr. Achmed, was wäre das jetzt schön mit dir !

Als wieder vollständige Gruppe gingen wir zur Grabeskirche. Dort erwartete uns eine Menschenmasse, die uns für das Innere der Kirche nichts Gutes verhieß. Da wir seitens der Reiseleiterin nur eine halbe Stunde Zeit bekamen und das offizielle Programm für heute sowieso vorbei war (Wie soll Miriam sonst ihren vorgezogenen Feierabend bekommen ?), klinkten wir uns aus der Gruppe aus und erkundeten die Grabeskirche alleine. Beim heiligen Grab stellten wir uns nicht in die Schlange der Wartenden, da wir sonst mindestens zwei Stunden vertan hätten. So besichtigten wir den Kleiderteilungsaltar, den Golgathafels, den Nabel der Welt, den Salbungsstein und das sonstige Innere der Kirche. Nach diesem Besichtigungsmarathon waren wir hungrig und gingen in der Nähe der Grabeskirche in ein palästinensisches Restaurant (Miriam wäre nie dorthin gegangen). Wir ließen es uns schmecken und stärkten uns für den zweiten Teil unserer privaten Tour.

Als Erstes kauften wir für Beatrice eine Bluse, wobei Peter das Handeln übernehmen musste. Mit einer Reduktion von 350 Schekel auf 140 Schekel erzielten wir einen vernünftigen Preis.

Anschließend gingen wir zur Geburtskirche von Maria, da wir diese auf dem gemeinsamen Rundgang mit der Reisegruppe nicht besichtigt hatten. Die Kirche selber ist relativ schmucklos, aber die Akustik im Innenraum ist unbeschreiblich ! Wir konnten uns davon überzeugen, denn ein Chor nach dem anderen sang spontan ein Lied. Atemberaubend schön und sehr berührend. Unsere Gänsehaut wuchs von Lied zu Lied. Hier hätten wir es locker noch Stunden aushalten können, aber wir wollten ja noch mehr sehen. Also verließen wir schweren Herzens diese Kirche und gingen zur Kirche der Nationen, die bei unserem Besuch des Gartens Gethsemane geschlossen gewesen war. Eine wunderschön gearbeitete Decke erwartete uns in dieser Kirche. Da aber eine Kurzmesse nach der anderen gefeiert wurde, setzten wir uns nur still auf eine Bank, genossen die Atmosphäre und bestaunten die einzelnen Deckenmosaike.

Unser Kulturhunger war damit für heute gestillt und wir gingen an der Stadtmauer entlang zur Straßenbahn. Natürlich musste unterwegs noch ein Eis dran glauben J.

Müde, aber froh um den selbst genutzten Nachmittag kamen wir wieder ins Hotel, duschten uns und gingen Abendessen.

Anschließend sahen wir uns in der ZDF-Mediathek noch eine Krimikomödie an. Danach war heia angesagt.

 

Mittwoch, 28.05.2014

 

Heute stellten wir uns den Wecker erst auf 7 h, da Busabfahrt um 8:30 h sein sollte. Trotzdem waren wir aus alter Gewohnheit schon davor wach L.

Die Fahrt nach Tel Aviv verlief ereignislos und so waren wir schon bald dort angekommen. Zunächst machten wir eine Stadtrundfahrt, die aber für uns relativ langweilig war, da wir aus unserer Busperspektive jeweils nur eine Seite der Straße sehen konnten bzw. die Fahrt zu schnell an den Sehenswürdigkeiten vorbeiging. Schöner war da der Bummel durch den Markt. Dort gab es alles zu kaufen, angefangen über Billigschrott bis hin zu Lebensmitteln aller Art. Beatrice musste unterwegs als Testobjekt herhalten. Die leckersten orientalischen Süßigkeiten warteten darauf, probiert zu werden - und das machte sie eben J.

Danach fuhren wir in den alten Teil der Stadt Jaffa und machten einen Rundgang durch das renovierte alte Viertel. Sehr hübsch und nicht überlaufen - so präsentierte sich uns Jaffa. Nach soviel Rundgang ließen wir uns das Mittagessen schmecken. Ein letztes Mal orientalisches Essen mit Hummus, Falafel und sonstigen Leckereien mit anschließenden Überraschungen beim Kassieren, da die Berechnung nicht immer ganz nachvollziehbar ist.

Gut gestärkt fuhren wir zum Hotel Tal und verabschiedeten uns vom Fahrer (mit vollem Trinkgeld) und von Miriam (mit der Hälfte des Trinkgeldes, da der Dienst nach Vorschrift bzw. die Art, wie sie sich um die Gruppe gekümmert hatte, nicht auch noch belohnt werden muss).

Nach dem Zimmerbezug gingen wir an den Strand, planschten, sonnten uns, ließen uns in der Strandbar die Getränke schmecken, planschten und gingen dann zurück zum Hotel. Da es noch früh war, machten wir noch einen Spaziergang an der Strandpromenade entlang und genossen die Wärme und das Meeresrauschen.

Die letzten Sonnenstrahlen genossen wir auf der Hotelterrasse. Nach dem Duschen ging's zu unserem letzen Abendessen in Israel. Beim Abendessen verquatschten wir uns mit einem Paar aus Hamburg und vergaßen vollkommen die Zeit. Erst als der Hotelmanager uns nett bat, unser Gespräch doch draußen weiter zu führen, gingen wir auf die Terrasse und tranken dort noch eine Flasche Rotwein. Es war kurz vor Mitternacht, ehe wir ins Bett kamen.

 

Donnerstag, 29.05.2014

 

Einer alten Gewohnheit gemäß standen wir um 7 h auf, frühstückten und packten fertig. Auf der Hotelterrasse warteten wir auf den Transferbus, der die anderen Gäste zum Flughafen bringen sollte. Als dieser kam, fragte ich den Fahrer, ob er uns mitnehmen würde. Nach dem telefonischen Einverständnis seines Chefs und einem Tip in Höhe von 5 unsererseits konnten wir mitfahren. Immer noch billiger als öffentliche Verkehrsmittel oder gar ein Taxi - und bequemer obendrein.

Das Einchecken ging ruck-zuck. Die Zeit bis zum Abflug schlenderten wir durch die Shops. Unsere letzten 53 Schekel gaben wir für ein Sandwich und zwei Cola aus.

Der Flug war ereignislos. Bei der Landung regnete es in Frankfurt. War mal ein ganz neuer Anblick.

Da der Zug nach Siegburg erst in knapp einer Stunde fahren sollte, kauften wir im Supermarkt noch Brezeln und Cola und warteten auf den ICE.

Da der Zug und die Linie 66 pünktlich waren, waren wir um 21:15 h wieder daheim. Ein sehr schöner Urlaub war damit zu Ende L.

 

 

Fazit des Urlaubes:

Israel und Jordanien sind sehr schöne Länder. Wir haben sehr vielfältige Eindrücke erhalten. Auch haben wir nur sehr nette Menschen kennen gelernt. Dabei müssen wir nicht unbedingt deren Ansichten teilen (z.B. zur Siedlungspolitik). Trotzdem war es aufschlussreich, deren Meinung zu hören oder mitzubekommen, dass Palästinenser sich freuen, wenn jemand sich auch für ihr Land interessiert oder sich über das Versprechen freut, dass auch die Palästinenserflagge auf Peter's Weste genäht wird.

Aber eine geführte Tour ist für uns Individualreisende nichts. Ja, wir haben mehr gesehen, als wenn wir alleine unterwegs gewesen wären. Nein, wir hatten nicht die Muße, unseren eigenen Rhythmus zu leben. Gerne wären wir an manchen Orten länger geblieben und hätten dafür andere Orte weggelassen. Die jeweiligen Reiseleitungen nahmen zwar im Rahmen der Möglichkeiten Rücksicht auf die Belange aller Reisenden, aber wir selbst wollten uns ja auch in die Gruppe integrieren. So war die Tour immer ein Balanceakt zwischen eigenen Wünschen und Gruppeninteressen.

Die vorgebuchten Hotels waren Durchschnitt. Hier hätten wir uns manchmal ein besseres Hotel gewünscht (z.B. in Jerusalem wäre es schön gewesen, wenn unser Hotel einen eigenen Pool gehabt hätte). Aber da sind wir wahrscheinlich von UMFULANA verwöhnt. Das Essen haben wir gut vertragen. Auch die Temperaturen waren kein Problem für uns. Der Spaß unterwegs war abhängig von den Reiseleitern. Wenn gleich ein Sympathiedraht vorhanden ist, ist die Tour interessanter, als wenn man mit der Art der Reiseleitung nicht klar kommt.

Trotz allem: Die Tour war schön und es war gut, dass wir sie gemacht haben !